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„Monsieur Claude und sein großes Fest“

Feuerwerk der Vorurteile

Zur Rubinhochzeit von Monsieur Claude laden die vier inklusionswütigen Töchter alle Schwiegereltern zum Familienfest nach Chinon. Dritter und bester Teil der Reihe um den Patriarchen Claude Vernier. Fulminante bürgerliche Sozialkomödie, die mit einem fröhlichen Feuerwerk von Vorurteilen aufwartet und Stereotypen mit Humor unterläuft.

Von Hans Gerhold

Monsieur Claude (Christian Clavier) fühlt sich inmitten der Familie nicht immer ganz wohl. Foto: Neue Visionen

In Frankreich sind die bürgerlichen Sozialkomödien um den erzkonservativen Patriarchen und Notar Claude Verneuil (Christian Clavier), der mit frömmelnder Gattin (Chantal Lauby) im Provinznest Chinon im Loire-Tal wohnt, riesige Erfolge, weil sie nationale Eigenheiten bündeln. Der erste Teil (2014) feuerte bereits ein Feuerwerk der Vorurteile ab, das in Teil 2 verfeinert wurde.

Oberflächlich betrachtet, feierte der Multikulturalismus in „Monsieur Claude und seine Töchter“ geradezu globale Siege, als die vier Töchter einen Muslim, einen Juden, einen Chinesen und einen farbigen Katholiken heirateten. In „Monsieur Claude 2“ brachten die Töchter, die mit ihren Männern das heimatliche Frankreich verlassen wollten, den naserümpfenden Toleranzkönig auf die Nagelprobe, weil er die Schwiegersöhne zum Bleiben bewegen soll.

Als wäre das nicht genug für den geplagten Großvater, stellen die inklusionswütigen Töchter den Papa in „Monsieur Claude und sein großes Fest“ nun auf die ultimative Probe, Zur Rubinhochzeit (40 Jahre) sollen Papa und Mama ihr Eheversprechen erneuern, und es werden alle Schwiegereltern zum Familienfest geladen. Damit beginnt ein fulminanter Schlagabtausch von gehässigen Bemerkungen, ironischen Seitenhieben und scharfzüngigen Dialogen im Armageddon sozialer und nationaler Stereotypen,

Christian Clavier als Opfer hat seine Rolle so perfektioniert, dass sein superbes Augenbrauen-Hochziehen keinem Mitspieler eine Chance lässt, selbst wenn er als letzte Rettung immer mal plötzlich verschwindet. Clavier ist als Claude der Sonnenkönig gallischen Humors.

Die Trilogie wurde kritisiert, weil sie Vorurteile feiere und zu falscher Versöhnlichkeit auffordere. Darin werden die Stereotypen mit Humor unterlaufen. Teil 3 zeigt durch die Ausweitung des fröhlichen Rassismus auf die Schwiegereltern, dass alle wechselseitig gleiche Vorurteile besitzen. Daran ändern auch arabische Grillparty, jüdisches Zuckerfest, Vernissage mit Eingeweide-Malerei und Äpfel auf Petersilie nichts. Super!

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