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„Ein Triumph“: Herzige Tragikomödie

Münster

Ein arbeitsloser Schauspieler inszeniert mit den Insassen eines Gefängnisses Samuel Becketts berühmtes Stück „Warten auf Godot“ und schließt mit den Häftlingen Freundschaft. Auf einer wahren Begebenheit aus Schweden beruhende Geschichte als Tragikomödie zwischen Realismus und Wohlfühlgefühl.

Von Hans Gerhold

Ètienne (Kad Merad, l., mit Marina Hands und Laurent Stocker) darf im Knast einen Theaterworkshop leiten und „Warten auf Godot“ inszenieren. Foto: Carole Bethuel

Seit „Willkommen bei den Sch’tis“ ist Kad Merad in zahlreichen französischen und italienischen Wohlfühlfilmen wie „Plötzlich wieder jung“ gerngesehener Gast. In der Komödie „Ein Triumph“ von Regisseur und Drehbuchautor Emmanuel Courcol („Die Frau des Leuchtturmwärters“, mit Sandrine Bonnaire) spielt er den Schauspieler Étienne Carboni, der mit vollem Herzen auf der Bühne steht, aber im Leben meist mit chronisch leeren Taschen dasteht.

Also übernimmt Ètienne nur zu gern die Leitung eines Theaterworkshops für Knastis, das im Rahmen eines geförderten Sozialisierungsprogramms stattfinden soll. Die Häftlinge zeigen zwar überraschend Talent, sind aber nicht wirklich begeistert und wollen nach sechs genehmigten Wochen nicht weitermachen. Étienne, der über Gefängnismauern und Bühnenrampen hinaus denkt, lockt die Insassen mit der Vorstellung, Samuel Becketts Stück „Warten auf Godot“ öffentlich aufzuführen.

Regisseur schließt Freundschaften mit Häftlingen

Wider Erwarten wird den Knastologen der dazu gehörende Freigang gewährt. Es folgt, was gallischer Charme bei harten Häftlingen bewirkt. Der gutmütige, leidenschaftliche und visionäre Regisseur schließt Freundschaft mit denen hinter Gittern und schafft in sechs Monaten mit der bunten Truppe die umjubelte Abschlussvorstellung in Paris, geht mit ihr auf Tournee und landet sogar im Pariser Odéon.

Die 2020 entstandene Tragikomödie, die mit realistischen Momenten (Filzen bei Rückkehr in den Knast, das Warten als neue Dimension der Knastis) arbeit, basiert auf einer wahren Geschichte, die sich Mitte der 80er Jahre in Schweden abspielte, als Jon Jönsson im Hochsicherheitsgefängnis Kumla Becketts berühmtes Stück inszenierte und der Autor (1906 – 1989) lobte, das sei das Schönste, was seinem Stück passieren konnte. In dem Sinn: Nicht warten, hingehen.

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