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„Mehr denn je“: Letzte Fragen mit Vicky Krieps

Finale am Fjord

Emily Atef, die als Regisseurin in „3 Tage in Quiberon” Romy Schneider am Scheideweg zeigte, schickt diesmal Vicky Krieps auf eine existenzielle Reise: Die luxemburgische Spitzenschauspielerin spielt eine Sterbende, die es auf den letzten Metern nach Norwegen verschlägt. An ihrer Seite: Der im Januar verstorbene Gaspard Ulliel in seiner letzten Rolle.

Von Gian-Philip Andreas

Die todkranken Hélène (Vicky Krieps) fasst in Norwegen einen schicksalsschweren Entschluss. Foto: Pandora

Seit der Diagnose weiß Hélène (Vicky Krieps), dass sie sich aufs Ende vorbereiten muss. Wie geht man damit um, wenn man erfährt, dass die Lungenkrankheit, an der man leidet, nicht heilbar ist? Hélènes langjähriger Partner Matthieu (Gaspard Ulliel) flüchtet sich in Aktionismus: Eine Transplantation müsste doch helfen! Doch Hélène weiß um deren faktisch nicht existente Chancen, legt all das, was sie bis neulich noch umtrieb – Familienplanung, Karriere, Freundeskreise – ad acta und fragt sich: Was jetzt noch tun? Wie jetzt, zuletzt, noch leben? Auf jeden Fall mehr denn je.

Regisseurin Emily Atef („3 Tage in Quiberon“) versteht sich darauf, Frauen an existenziellen Wegmarken ihres Lebens zu inszenieren. Sie schickt Hélène, der es von Woche zu Woche schlechter geht, auf eine finale Reise nach Norwegen – wo ein Blogger namens Mister lebt (Bjørn Floberg aus „Pferde stehlen“), der ebenfalls unheilbar erkrankt ist und der Einzige zu sein scheint, der noch zu ihr vordringen kann.

Vicky Krieps (in ihrer zweiten tollen Rolle dieses Jahr nach dem Sissi-Part in „Corsage“) traumwandelt geschockt, ermüdet und vor allem entgeistert erst durch Bordeaux, dann durch die majestätischen Leer-Landschaften Norwegens, und als die große Minimalistin, die sie ist, benötigt sie nur wenige mimische Regungen, um Hélènes aus der Spur geworfenes Innenleben begreifbar zu machen. Unerwarteterweise hat der Film noch einen zusätzlichen tragischen Unterboden: Gaspard Ulliel, der einst neben Audrey Tautou in „Mathilde“ bekannt wurde und hier Mat­thieu spielt, den verzweifelt Hinterbleibenden, der sich mit der finalen Entscheidung seiner Freundin abfinden muss, starb im Januar mit nur 37 Jahren. Sehenswert.

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