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„Lamb“: Folklore-Grusel in Island

Geliebter Schafskopf

Ein Bauernhof in Island, ein Ehepaar ohne Worte, ein Kind aus Mensch und Lamm: Dieses Regiedebüt, an dessen Drehbuch Kult-Dichter Sjón mitschrieb, setzt auf eine kuriose Mischung aus Fantasy und Dokumentarismus.

Von Gian-Philip Andreas

Maria (Noomi Rapace) bei der Arbeit Foto: Koch Films/dpa

Ein Ehepaar im Nirgendwo: In einem ebenso kargen wie entlegenen Winkel Islands bewirtschaften Maria (Noomi Rapace, „Verblendung“) und Ingvar (Hilmi Snær Gu∂nason, „101 Reykjavík“) ganz alleine einen Bauernhof. Akribisch und annähernd dokumentarisch fängt Spielfilmdebütant Valdimar Jóhansson die anstrengende Arbeit ein.

Dann wird ein neues Lamm geboren – als Hybrid aus Mensch und Schaf. Das Ehepaar, das selbst um ein gestorbenes Kind trauert, nimmt es ins Haus, zieht es wie ein Baby auf. Die Schafsmutter sieht das gar nicht gern, erst recht nicht der mysteriöse Vater des Kindes. Und was führt Ingvars plötzlich angereister Bruder Pétur im Schilde?

Die kuriose Mischung aus Ehedrama, Fantasy und Folklore-Horror klingt gruselig, gestaltet sich aber vor allem meditativ. Wer ob der bedächtigen Erzählweise nicht die Geduld verliert, wird auf dem Weg zum relativ niederschmetternden Finale mit faszinierenden Island-Aufnahmen belohnt.

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