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„The 355”: Ordentliche Spionage-Action mit unoriginellem Plot

Glamouröse Allianz der Agentinnen

James Bond, Jason Bourne, Ethan Hunt, Harry Palmer – die allermeisten Agentenfilme kreisen um die Abenteuer markanter männlicher Helden. „The 355” stellt ihnen nun gleich einen Fünferpack weiblicher Spione entgegen. Keine schlechte Idee und auch mit ordentlich Wumms inszeniert – wäre die Handlung bloß nicht so handelsüblich.

Von Gian-Philip Andreas

Die beinharte CIA-Agentin Mace Brown (Jessica Chastain) im Einsatz. Foto: Universal

Wer die Comicserie „Y – The Last Man“ kennt, dürfte mit dieser Nummer bestens vertraut sein: „Agent 355“, das war der Codename der ersten US-Spionin, die im 18. Jahrhundert tätig war, während der Amerikanischen Revolution. Obwohl ihre Identität nie geklärt wurde, gilt sie als Urmutter aller heute im Geheimdienst beschäftigten Frauen.

Nun dient sie also auch als Namensgeberin einer Agentinnen-Truppe, mit der Universal Pictures all den sehr männlichen Bonds, Bournes und Hunts des Actionkinos ein schlagkräftiges weibliches Pendant entgegenstellen wollen. All jene, die die Lady-Versionen von „Ghostbusters“ oder „Ocean’s 8“ noch mit der Bemerkung abkanzelten, die Studios sollten lieber neue Heldinnen erfinden als bloß etablierte Männerfilme zu östrogenisieren, müssten nun eigentlich zufrieden sein: Die „355“ sind ein Original.

Noch dazu eines mit fabelhafter Besetzung. Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“), die den Film mitproduzierte, als beinharte CIA-Offizierin, Oscarpreisträgerin Lupita Nyong’o („Black Panther“) als britische Computerspezialistin, Diane Kruger („Inglourious Basterds“) als Frau vom BND und Penélope Cruz („Vanilla Sky“) als kolumbianische Geheimdienstpsychologin werden noch durch den chinesischen Superstar Fan Bingbing ergänzt: ein weltweites All-Star-Team.

Leider wird es von den Verantwortlichen um Regisseur Simon Kinberg („X-Men: Dark Phoenix“) in ein enttäuschend generisches Szenario hineinversetzt, in dem alle einer Festplatte hinterherhetzen, mit der das Internet abgeschaltet werden und der Dritte Weltkrieg ausgelöst werden kann. Dazu kämpfen und frotzeln sich die fünf Agentinnen rund um den Erdball, von Paris über Marokko bis nach China. Die Ballerszenen und Verfolgungsjagden sind meist auf der Höhe aktueller Blockbustergepflogenheiten.

Schade nur, dass dazwischen kaum Zeit bleibt, die Charaktere der Protagonistinnen näher vorzustellen. So ist das Actionkino zwar um gleich fünf glamouröse Agentinnen reicher geworden – die trotzdem rasch wieder vergessen sein könnten.

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