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Neu im Kino

„Goliath“: Packender Öko-Politthriller

Münster

Im Kampf gegen einen Konzernriesen und dessen Lobbyisten verbünden sich ein Anwalt und eine Gabelstaplerin und Sportlehrerin. Sehenswerter und packender Öko-Thriller um den Einsatz von Pestiziden und die Machenschaften von Lobbyisten. In den Hauptrollen hervorragend gespielt.

Von Hans Gerhold

Patrick (Gilles Lellouche) kämpft als Anwalt für Umweltrecht gegen einen Konzern. Foto: Single Man

Französische Politthriller wie „Das Attentat“, „Der Fall Serrano“, „I wie Ikarus“ oder „Die Möbius Affäre“ (mit Jean Dujardin) brauchen sich hinter amerikanischen Arbeiten nicht zu verstecken. Im Fall von „Goliath“ von Regisseur und Autor Frédéric Tellier („L‘affaire SK1“, 2014) geht es um drei Schicksale, die mit dem Chemiekonzern Phytosanis (gemeint ist Monsanto) und dem krebserzeugenden Phosphat Glyphosat (im Film Tetracine genannt) verbunden sind.

Der sich hinter sanften Augen verbergende charismatische Lobbyist Mathias (Pierre Niney, „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“) versorgt Politiker mit Sätzen für den Einsatz von Tetracine, die die mächtigen Herren Wort für Wort wiederholen. Sportlehrerin Francine (Regisseurin und Darstellerin Emmanuelle Bercot, „Mein Ein und Alles“), die nachts als Gabelstaplerin arbeitet, kämpft gegen den Einsatz von Pestiziden, seit ihr Mann erkrankte.

Fast dokumentarisch inszeniert

Patrick (Gilles Lellouche, „Kleine wahre Lügen“, „Der Unbestechliche“, mit Dujardin) ist Anwalt für Umweltrecht, vertritt eine Bäuerin, deren Partnerin verstarb, gegen Phytosantis und lebt als einsamer integrer Wolf in Paris. Die drei Schicksale bewegen sich aufeinander zu, als der verschlagene Wolf im Schafspelz Mathias versucht, Patrick zu korrumpieren und als sich eine anonyme Frau vor den Toren des Konzerns verbrennt. Tellier hat den Kampf der Schafe gegen die Wölfe nüchtern realistisch und fast dokumentarisch inszeniert und zeigt, dass die Davids dieser Welt gegen die Konzern-Goliaths kaum eine Chance haben, aber sie nutzen.

Eine realpolitische Pointe zum Finale: 2017 versprach Präsident Macron, er werde Glyphosat verbieten. Drei Jahre später gab er sein Scheitern zu, aber es habe sich nichts an seiner Haltung geändert. Wie? Sehenswert.

        

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