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„Moonage Daydream”

Grüße vom Chamäleon

David-Bowie-Fans und solche, die es erst noch werden wollen, sollten am Dienstag ins Schlosstheater pilgern: Erst mal nur an jenem Tag nämlich läuft Brett Morgens tolle Doku über den 2016 verstorbenen „Thin White Duke” – eine faszinierende Collage aus Konzertaufnahmen, Selbstaussagen und frei flottierenden Assoziationen.

Der Film erfreut Fans des Pop-Chamäleons mit raren Konzert-Liveaufnahmen. Foto: Universal Pictures France

Vor sechs Jahren starb David Bowie mit 69 Jahren, das Album „Blackstar“ war sein Vermächtnis. Dem gingen fast fünf Jahrzehnte einer pop- und rockmusikalischen Karriere voraus, die immer noch schwer zu greifen ist: Bowie, in London geboren als David Jones, bewegte sich von Persona zu Persona als Pop-„Chamäleon“ durch immer neue androgyne Transformationen. Er zog nach Los Angeles, dann ins geteilte Berlin, neben der Musik spielte er in Filmen, machte er Kunst, in den Achtzigern brachte er es zum veritablen Popstar.

Wie über dieses Leben einen Film machen? Regisseur Brett Morgen, der schon mit der Kurt-Cobain-Doku „Montage of Heck“ ausgetretene Pfade verließ, versucht in seiner spektakulären Doku zum Glück gar nicht erst, die Lebensstationen nacheinander abzuhaken. „Moon­age Daydream“, benannt nach einem Song von 1971, präsentiert sich eher als assoziative Collage, die sich herrlich großzügig in Musik und Bildern verliert und dankenswerterweise fast vollständig auf die ewige Geißel des Dokumentarfilmwesens verzichtet: eitel schwafelnde Weggefährten. Zu hören ist dagegen fast nur Bowie selbst, der über seine Kunst, seine Karriere, seine Absichten mal räsoniert, mal philosophiert, mal sich selbst wundert.

Meist sind das TV-Interviews, die zu einem Konvolut aus buchstäblich Millionen von Dokumenten, Musikstücken, Konzert- und anderen Bild- und Ton-Aufnahmen zählen, auf die Morgen, unterstützt von Bowies Erben, unbegrenzt Zugriff hatte: eine Luxussituation. „Moonage Daydream“ ist so zu einem Muss (nicht nur) für Bowie-Fans geworden, die sich jenseits der Selbstauskünfte vor allem über rare Konzertmitschnitte (etwa von der Ziggy-Stardust-Tour) freuen können. Sehenswert.

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