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„Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“: Wohlige Fantasy

Immer mit der Emma

Wer den kleinen Jim Knopf, Lokomotivführer Lukas, Lokomotive Emma, König Alfons den Viertel-vor-Zwölften und weitere Figuren aus den Büchern (1960/62) von Michael Ende kennt – sei es durch die Augsburger Puppenkiste (auch in SchwarzWeiß), durch Zeichentrickserien, Hörspiele oder Theateraufführungen –, sei beruhigt. 

Hans Gerhold

So geht‘s nicht. Lokomotive Emma soll verschrottet werden. Das passt Lokomotivführer Lukas (Henning Baum) und Jim Knopf (Solomon Gordon) überhaupt nicht. Das Trio nimmt Reißaus. Foto: Warner

Die Realfilmversion des unsterblichen Klassikers der Jugendbuchliteratur ist mit 25 Millionen Euro Herstellungskosten nicht nur eine der aufwendigsten und teuersten Filmproduktionen geworden. Nein: „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ ist ganz große Fantasy, die sich international sehen lassen kann. Ein tolles Abenteuer für die ganze Familie und eine wohlige Erinnerung für Generationen von Lesern, die dieses schöne Stück deutschen Kultur- und Unterhaltungsguts genossen haben und sie, wie Regisseur Dennis Gansel, teils auswendig kennen.

Die Geschichte vom Findelkind Jim (Solomon Gordon), der mit Lokomotivführer Lukas (Henning Baum) und der Lokomotive Emma, die verschrottet werden soll, die kleine Insel Lummerland verlässt, vom Sturm auf See bis zum einstürzenden Gebirge weltweit Abenteuer erlebt und die entführte Prinzessin Li Si rettet, war und ist eine runde und bunte Story von Freundschaft, Mut, Verständigung und Humor.

Den Transfer ins Medium Film hat sie gut überstanden – auch wenn aus Gründen falscher Korrektheit Jim nicht Pfeife rauchen darf und das Wort „Neger“ (hier eben nicht rassistisch) gestrichen wurde. Nah an den Büchern – man hat auch „Jim Knopf und die Wilde 13“ mit auf Reisen genommen – finden sich alle Stationen der Vorlagen wieder: die Begegnungen mit dem Scheinriesen Tur Tur (Milan Peschel), dem Halbdrachen Nepomuk (Michael Bully Herbig), dem Drachen Frau Marzahn (Judy Winter) und den „hundertjährigen Eiern auf Salat“. Mit 110 Minuten nicht zu lang und temporeich bis zum Schluss, sind die computergenerierten Bilder (Tal, Gebirge, Wüste) erste Sahne, die Szenen am Lagerfeuer und das Entkommen in letzter Sekunde gelungen.

Das größte Plus sind Rumpel-Lokomotive Emma und Henning Baum als der ideale Darstellers des virilen, bärtigen, bizepsbewährten Lukas. Er ist, wie es der kürzlich verstorbene Gunter Gabriel ausdrücken würde, „ein Kerl, ein ganzer Mann“. Einer, der wie Bud Spencer selig überzeugt – wenn nötig mit der Faust. Wonnig.

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