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„The Little Things”: Serienkiller-Thriller mit drei Oscargewinnern

Majestätisches Gestarre

Mit Denzel Washington, Rami Malek und Jared Leto versammelt Regie-Routinier John Lee Hancock gleich drei Oscarpreisträger vor der Kamera. Leider kommt kein neuer Filmklassiker dabei heraus. Der Psychothriller über zwei ungleiche Cops, die einen Serienmörder jagen, kommt mühsam in die Gänge und bleibt im Vergleich mit berühmten Vorbildern am Ende auf der Strecke.

Von Gian-Philip Andreas

Ob die beiden Cops (Rami Malek, l., und Denzel Washington, r.) den Mechaniker (Jared Leto) überführen? Foto: dpa

Denzel Washington ist einer dieser Schauspieler, deren in Jahrzehnten sedimentiertes Charisma so groß ist, dass sie vor der Kamera wenig mehr machen müssen, als regungslos knapp links am Objektiv vorbei zu starren und man als Zuschauer trotzdem denkt: Diese Tiefe, irre! Diese Gravitas!

Regisseur John Lee Hancock („Bild Side“) macht sich das in diesem auch sonst mit diversen Oscarpreisträgern besetzten Thriller zunutze, indem er Washington weite Teile des Films über einfach genau dies tun lässt. Er sitzt, guckt, denkt (oder vielleicht auch nicht), steht auf, sitzt wieder, guckt. Flashbacks deuten daraufhin, dass der Provinzsheriff, den er spielt, ein zerrissener, traumatisierter Charakter ist, und einmal darf er sogar kurz laut werden und ausrasten. Da schreckt man im Kinositz regelrecht auf, so sehr fällt es auf zwischen all dem charismatischen Gestarre.

Ähnlich gut wie Washington ist Jared Leto (Oscar für „Dallas Buyers Club“), der zuletzt in den DC-Verfilmungen den Joker spielte und in „Blade Runner 2049“ den sinistren Gründer der Wallace Corporation. In „The Little Things“ verkörpert er einen langhaarigen Mechaniker, der von der Polizei verdächtigt wird, ein Serienmörder zu sein – was man gut nachvollziehen kann. Leto ist einfach einer der besten Kino-Irren momentan, und die Golden-Globe-Nominierung, die er hierfür bekam, hat er verdient.

Weniger ideal ist die Besetzung des ermittelnden und sich zunehmend im Serienmörder-Fall verlierenden Polizisten mit Rami Malek (Oscar als Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“). Der kriegt die Manierismen, die seinem Part in der formidablen Hacker-Serie „Mr. Robot“ noch zugute kamen, hier kaum gezügelt; es fällt schwer, in ihm einen ernsthaften Ermittler zu erkennen. Vor allem, wenn der stoische Denzel Washington neben ihm agiert.

Wie Malek und Washington versuchen, als ungleiches Duo den Mörder zu überführen, wäre wohl gern ein Update klassischer Verhängniskrimis wie „Sieben“ oder „Zodiac“, bleibt aber meilenweit hinter diesen zurück. Ein stargespickter, solide in Form gebrachter Thriller ist dies gewiss. Nur: Lange im Gedächtnis bleiben wird er wohl nicht.

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