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Neu im Kino

„Märzengrund“: Episches Aussteigerdrama

Münster

Ein Jungbauer zieht sich 1968 in die Tiroler Bergwelt oberhalb der Baumgrenze zurück und lebt als Eremit. Visuell berauschender moderner Heimatfilm mit Motiven des Aussteiger-Dramas, gut gespielt und sehenswert.

Von Hans Gerhold

Mit seiner Jugendfreundin (Iris Unterberger) ist Elias (Jakob Mader) hier noch ganz unbeschwert. Foto: Prokino

Der moderne Heimatfilm bekommt im österreichischen Aussteiger-Drama „Märzengrund“ von Adrian Goiginger („Die beste aller Welten“) eine Dimension, die ihn mit Filmen wie „Into the Wild“, „Die Wand“ und „The Tree of Life“ verbindet. In allen Produktionen herrscht eine erhabene Natur, hier die imposante Tiroler Alpenwelt des Zillertals, die sich auf die Psyche der Menschen legt wie rieselnder Schnee auf trockenen Grund.

Goiginger weitet das als Vorlage dienende Theaterstück von Felix Mitterer aus und lässt es 1968, im Jahr der Revolte überhaupt, beginnen, als der 18-jährige Elias (top: Jakob Mader) an den Pflichten des künftigen Großbauern verzweifelt. Er verliebt sich in die Magd, „eine Moid mit samtenen Augen“ (Verena Altenberger) und wird von der Mutter um die erste Liebe gebracht. Elias flüchtet sich in Depressionen und steigt in die Bergwelt oberhalb der Baumgrenze, wo er auf der Hochalm Märzengrund lebt und als Eremit vereinsamt.

„Märzengrund“ ist ein kleines Juwel

50 Jahre später wird der alte Mann (Johannes Krisch) krankheitsbedingt zurückkehren und noch einmal auf die Familientragödie stoßen. Sinnsuche und Freiheit stehen als überdeutliche Themen über allen genannten Filmen. In „Märzengrund“ paaren sie sich mit dem paradoxen Motiv, „fern der Gesellschaft in ihr angekommen“ zu sein. Es wird sich für Elias als Trugschluss herausstellen.

Visuell atemberaubend mit selten gesehenen Landschaften im Wechsel der Jahreszeiten, ist „Märzengrund“ ein kleines Juwel. In den Gefühlsaufwallungen der Personen gelegentlich etwas krass, aber durchgehend gut gespielt und sehenswert.

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