1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Kino-kritik
  6. >
  7. „Mit 20 wirst Du sterben“: Schicksalsdrama

  8. >

Neu im Kino

„Mit 20 wirst Du sterben“: Schicksalsdrama

Münster

Die Prophezeiung ist brutal: Im Alter von 20 Jahren soll ein Junge sterben. Wie man mit solch einer Ankündigung lebt – davon erzählt das Regiedebüt des Sudanesen Amjad Abu Alala. Ein echter Festival-Hit, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Muzamil (Mustafa Shehata) hat Grund zur Furcht. Foto: Pyramide

Als Muzamil (Mustafa Shehata) geboren wird, hängt der örtliche Chef-Sufist ein Damoklesschwert über ihm auf: Mit zwanzig Jahren werde der Junge sterben. Muzamils Mutter packt das Kind nach dieser Derwisch-Prophezeiung in Watte. Potenzielle Gefahren sollen gar nicht erst an ihn herankommen in der Abgeschiedenheit ihres südsudanesischen Dorfes. Doch wie lebt man mit einer solchen Ansage? Als Muzamil erwachsen wird, buhlt eine junge Frau um ihn, doch kann er als Todgeweihter eine Familie gründen?

Muzamil pendelt zwischen zwei Polen: dem Umfeld der Koranschule, in dem der örtliche Imam ihn gerne sähe, und dem Einfluss des weitgereisten Außenseiters Sulaiman, der gerne raucht und trinkt und ihm alte Filme zeigt, die einen Sudan zeigen, der noch ganz frei und modern wirkte, ehe er 1981 unter die Knute des Islamismus geriet. Fromme Einkehr also oder Hedonismus? Muzamil muss seinen ganz persönlichen Weg finden. Der Film bleibt entschieden offen.

Coming-of-Age-Fabel mit intensiven Bildern

Filme aus dem Sudan sind rar genug. Dass dieser hier seine Coming-of-Age-Fabel auch noch in derart kraftvolle (Wüsten-)Bilder packt, ein Glücksfall, und dass er sogar in deutschen Kinos landet, grenzt an ein Wunder. Gründe genug also, sich Amjad Abu Alalas Debüt, das 2019 in Venedig lief, unbedingt anzusehen. Sehenswert.

Startseite
ANZEIGE