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„Die Känguru-Verschwörung”: Schwächere Fortsetzung des Komödien-Hits

Mit Diesel-Liesl nach Bielefeld

In der Fortsetzung der Verfilmung seiner erfolgreichen Känguru-Komödien sitzt Autor und Liedermacher Marc-Uwe Kling nun selbst auf dem Regiestuhl. Das geht nur bedingt auf: Sein Debüt setzt ganz auf die verlässlich eingespielte Dynamik des Titeltiers mit dem verkrachten Künstler Marc-Uwe, kommt aber über eine Nummernrevue mit Durchhängern kaum hinaus.

Von Gian-Philip Andreas

Wer wie Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) ein Känguru als Beifahrer hat, langweilt sich auch bei der Fahrt nach Bielefeld nicht. Foto: dpa

Die ersten „Känguru-Chroniken“ in Filmform kamen im März 2020 ins Kino, kurz bevor die Kinos wegen Corona dichtgemacht wurden. Das führte dazu, dass der Film nicht ganz zu dem Leinwand-Megahit werden konnte, zu dem er es sonst gewiss gebracht hätte – zu erfolgreich waren die Vorlagen, Marc-Uwe Klings Bestseller und Hörbücher um ein kommunistisches Känguru, das sich bei einem abgerissenen Kleinkünstler (namens Marc-Uwe) einnistet.

Allemal gereicht hat es aber für eine Fortsetzung, die Kling nun sogar selbst gedreht hat. In seinem Regiedebüt (Co-Regie: Alexander Berner) sind Marc-Uwe und das Känguru ein eingespieltes Team, entsprechend episodisch gestaltet sich die Erzählung. Sie kreist weiter um Marc-Uwes Anbahnungsversuche in Richtung seiner aparten Nachbarin Maria (Rosalie Thomass, „Jagdsaison“): Ein zweites Date bekommt er nur, wenn es ihm gelingt, Marias neuerdings den Klimawandel leugnende Mutter Lisbeth (Petra Kleinert, „Mord mit Aussicht“) aus dem Desinformationssumpf des Internet herauszuziehen. Schnell erfahren Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) und das Känguru aber, dass Lisbeth gar kein Opfer, sondern als YouTube-Influencerin „Diesel-Liesel“ längst Star der Szene ist. Bei einer Konferenz in Bielefeld, auf der sich Querdenker, Alu-Hüte und andere Abgedriftete den Verschwörungs-Guru Adam Krieger (ungebremst: Benno Fürmann) anbeten, kommt es zur Konfrontation.

Die satirischen Seitenhiebe in Richtung der militanten Leugnerszene geraten leider allzu zahm, was sicher dem Umstand geschuldet ist, dass dieses Milieu in sich schon so absurd ist, dass es problemlos als Parodie seiner selbst durchgeht. Darüber hinaus mangelt es diesem Sequel leider entschieden an jener Kohärenz, für die im ersten Teil der inzwischen abgelöste Regisseur Dani Levy sorgte. Nachfolger Kling findet stattdessen etwas zu viel Gefallen daran, beständig das Gemachtsein des ganzen Films herauszustellen und immer wieder auf sich selbst zu verweisen. Was am Ende bleibt, ist eine Sketchparade mit ein paar verlässlichen Höhepunkten, aber auch viel Leerlauf und mauem Gewitzel – ungewohnt im Känguru-Kontext.

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