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„The Sunlit Night“: Verspielte Tragikomödie

Mit einer echten Wikingerbestattung

Herrlich verspielte Tragikomödie um eine Malerin (Jenny Slate) auf Selbstfindungskurs in Norwegen. Skurril, mit trockenem Humor, urig und verpeilt wie in Romanen von John Irving und Schlagern von Wencke Myhre. .

Von Hans Gerhold

Hier fehlen eigentlich nur Kirk Douglas und Wencke Myhre. Foto: W-Film

Filme um Selbstfindungen können oft ziemlich dröge, bemüht oder schwermütig sein. In der nach dem Verfilmung des Romans „The Sunlit Night“ von Rebecca Dinerstein hingegen läuft alles versponnen ab. Malerin Frances (Jenny Slate) zieht es nach Trennung vom Freund, Ende des Stipendiums und Scheidung der Eltern von New York nach Norwegen, wo sich neue Perspektiven eröffnen.

Das internationale Kinodebüt von Regisseur David Wnendt („Feuchtgebiete“, „Er ist wieder da“) ist eine hübsche Mischung aus John Irving, Woody Allen und trockenem norwegischen Humor geworden und gipfelt in einer echten Wikingerbestattung, nur ohne Kirk Douglas’ Einauge und mit Wencke Myhres stürmischem Schlager-Temperament. Der Grund: Jenny lernt auf den Lofoten-Inseln den trauernden Yasha (Alex Sharp) kennen, der hier seinen Vater bestatten will.

Bis dahin lernt Frances Land, Leute, Wikinger-Fans und niedliche Tiere (eine Ziege!) kennen, arbeitet für den mürrischen Maler Nils (Fridtjov Saheim), mit dem sie eine Scheune in 30 Tagen gelb streichen soll, und nächtigt im klapprigen Wohnwagen. Frances sieht durchs Auge der Malerin, will ein „Früchtekorb“ wie auf dem Gemälde von Caravaggio sein und badet endlich mal nackt.

David Wnendt inszeniert das herrlich trocken und urig, aber auch teils verpeilt, so dass sich mit gut aufgelegten Darstellern, traumhaft kalten und rauen Landschaften und skurrilen Charakteren eine gelungene Mittsommernacht ergibt. Nur echt mit Wikingerbestattung. Sehenswert.

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