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„Das Leben – ein Tanz“

Mit purer Freude im Körper

Eine junge Ballerina des klassischen Tanztheaters verletzt ihr Fußgelenk und findet bei einer modernen Tanztruppe den Schritt in ein neues Leben. Beschwingtes sehenswertes Edeldrama mit Freude an der Körperlichkeit, das in der visuellen Gestaltung viel vom Wesen des Tanzes einfängt.

Von Hans Gerhold

Elise (Marion Barbeau) fürchtet, nicht mehr tanzen zu können. Foto: Emmanuelle Jacobson-Roques – CQ

Wer den Tanzfilm „Black Swan“ kennt, wird sich an Rivalitäten, Zerstörung und Intrigen erinnern, die wenig mit den impressionistischen Gemälden von Edgar Degas zu tun haben, der die Elevinnen der Tüll-Gemeinde in zarten Farbtönen pries. Weil ihm der Film nicht gefällt, hat Regisseur Cédric Klapisch, der selbst Tanz-Dokumentationen drehte, mit „Das Leben – ein Tanz“ einen Gegenentwurf inszeniert, der von der Freude im Körper von Tänzern erzählt.

Ein Glücksfall ist die Besetzung der Hauptfigur Elise mit der 26-jährigen Marion Barbeau, die im echten Leben Primaballerina an der Opéra von Paris ist und auch als Schauspielerin überzeugt. Der zweite Glücksfall sind die ersten fünfzehn Minuten, in denen vor der Premiere von „La Bayadère“ hinter den Kulissen pure Ballettatmosphäre ohne Worte herrscht. Proben, Ankleiden, Dehnungsübungen, Beine spreizen, Posen studieren und dann der Weg vor den Vorhang auf die Lichter der Bühne.

Da passiert das Unglück. Elise sieht im Vorbeigehen, wie ihr Freund eine andere küsst. Sie hält trotz seelischer Anspannung durch, schafft ihre Schritte, bis sie kurz vor dem Ende doch stürzt und ihr Fußgelenk verletzt. Zwei Jahre Pause würden das Aus bedeuten. Doch da tritt in der Zeit der Unsicherheit eine moderne Tanztruppe an sie heran, die echte Hofesh-Shechter-Kompanie aus Israel. Für Elise wird das zeitgenössische Tanztheater zum Schritt in ein neues Leben.

Hofesh Shechter steuerte Choreographien und Musik zum Film bei. Doch ähnlich wie in Wim Wenders’ herausragendem Tanz-Doku-Essay „Pina“ sind es die Bilder, die Wesen und Ästhetik des Tanzes einfangen: Körperlichkeit, Freude an Bewegungen und Schrittfolgen, improvisiertes Raumgewinnen ebenso wie verspielte Tändeleien auf Spitzen.

Regisseur Cédric Klapisch (die „L’Auberge espagnol“-Trilogie mit Romain Duris und Cécile de France) hat das Edeldrama „En corps“ (Originaltitel) trotz des dramatischen Hintergrunds im Geist von Degas beschwingt und luftig und stellenweise heiter inszeniert. Dass aus der Geschichte eines geplatzten Traums sogar eine neue Liebe erwächst, sei trotz Konvention Elise und dem Film gegönnt. Sehenswert.

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