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„Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen“

Nagende Gesellschaft

Zauberhaftes Kammerspiel um eine Pflegerin und einen dementen Verleger, das durch die Hauptdarsteller Emilia Schüle und Günter Maria Halmer berührt und Klischees überspielt.

Curt (Günther Maria Halmer) Foto: Filmwelt

In Filmen wie „High Society“ und dem Mehrteiler „Ku'damm“ bewies Emilia Schüle natürliche Präsenz, die sie in „Traumfabrik“ mit Bambi-Blick leichtfertig verschenkte. „Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen“ von Nadine Heinze und Marc Dietschreit (Regie und Buch) bringt ihr Talent wieder zum Vorschein. Was am Zusammenspiel mit Günter Maria Halmer liegt, der als dementer Curt von der herrschsüchtigen Tochter Almut (Anna Stieblich) betreut wird. Als Sohn Philipp (Fabian Hinrichs) die 27-jährige Ukrainerin Marija (Schüle), eine studierte Germanistin, als Pflegerin engagiert, entwickelt sich ein zauberhaftes Kammerspiel, in dem die adrette Junge den ins Vergessen versinkenden Verleger wieder ins Leben zieht, indem sie sich auf seine Welt einlässt – eine fast surreale Reise mit Cabriolet in die Welt der 70er Jahre inbegriffen. Klar gibt es Klischees, aber die Mischung aus Komödie mit Slapstick, Farce mit Hintersinn, Tragik, Märchen und Romanze, die sich nicht festlegt, funktioniert durch ihre nagende Offenheit. Rührend wie die Aufnahmen echter Eichhörnchen.          

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