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„Violent Night”: David Harbour als saufender Weihnachtsmann

Nikolaus, pack den Hammer aus

Zu jeder Adventszeit gehört neben viel Gefühligkeit und Festtagskitsch auch der passende Anti-Weihnachtsfilm. Der kommt in diesem Jahr vom norwegischen Kultregisseur Tommy Wirkola und zeigt „Stranger Things”-Star David Harbour als fluchenden, trinkenden und, nun ja, sich übergebenden Weihnachtsmann – der in eine Geiselnahme gerät und zum blutigen Gegenschlag ausholt. O du Quälige!

Von Gian-Philip Andreas

Dieser Weihnachtsmann (David Harbour) ist eine Kraft, die Böses sagt und Gutes schafft. Foto: Universal

Kinder? Dieses undankbare Pack: Ständig wollen sie Geschenke, doch kaum ist die Bescherung vorüber, pfeffern sie das Geschenkte in die Ecke! So beklagt sich der Weihnachtsmann höchstpersönlich, der zu Beginn von „Violent Night“ ungut beschwipst in einer Bar herumhängt, bevor er mit seinen Rentieren die Dienstroute fortsetzt. Don’t drink and drive!

Der ungekrönte König aller miesepetrigen Film-Weihnachtsmänner ist natürlich Billy Bob Thornton als „Bad Santa“, der im Kaufhaus volltrunken Kinder anblaffte. In dessen Fußstapfen torkelt nun „Stranger Things“-Polizist David Harbour – seine grimmigen Tiraden gegen Konsumgier und Traditionsverkitschung sind das deutlich Beste an diesem ruppigen Actionfilm, den Krawallregisseur Tommy Wirkola („What Happened To Monday?“) mit bewährter Lust am Transgressiven auf die Adventsleinwände bringt.

Er lässt den Weihnachtsmann in eine Geiselnahme geraten: Ein Gangster namens Scrooge (John Leguizamo) hat es auf den Tresor der multimillionenschweren Matriarchin Getrude Light­stone (Beverly D’Angelo aus „Die schrillen Vier auf Achse“) abgesehen – doch in deren Villa zofft sich gerade die ganze Familie. Gut also, dass Santa Claus auftaucht, mit einem großen Hammer in der Hand. Wäre der Film eine halbe Stunde kürzer und am Ende etwas konsequenter: Ein neuer Anti-Christmas-Klassiker wäre geboren. So aber bleibt’s ein routiniertes, aber arg zerdehntes Satirespäßchen mit Splatter-Einlage.

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