1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Kino-kritik
  6. >
  7. Papa macht das schon

  8. >

„King Richard“: Tennis-Vater Will Smith

Papa macht das schon

Venus Williams und ihre noch erfolgreichere jüngere Schwester Serena gewannen zusammen 30 Grand-Slam-Turniere im Einzel, doch dieses Sport-Biopic befasst sich nur am Rande mit den beiden Granden. Der sechsfach oscarnominierte Film konzentriert sich auf ihren Trainer- und Manager-Vater Richard, dessen nimmermüde Impertinenz Hauptdarsteller Will Smith mit Gusto auf die Leinwand bringt.

Von Gian-Philip Andreas

Serena Williams (Demi Singleton, l.) mit Vater Richard (Will Smith) und Schwester Venus (Saniyya Sidney) als erfolgshungriges Tennis-Trio Foto: Telepool/dpa

Der Titel führt in die Irre: „King Richard“ ist kein Shakespeare-Drama, sondern ein Sport-Biopic. Der quasi-royale Pa-triarch, um den es im Film von Reinaldo Marcus Green geht, ist Richard Williams, der Vater der beiden Tennis-Legenden Venus und Serena Williams. Nicht die beiden

x-fachen Grand-Slam-Gewinnerinnen stehen hier im Mittelpunkt, sondern ihr umtriebiger Erzeuger, der als Coach, Promoter, Manager und unermüdlicher Antreiber in Personalunion fungierte.

Für Will Smith ist das endlich mal wieder eine Paraderolle, für die er prompt den Golden Globe erhielt und die ihm Ende März sogar einen Oscar einhandeln könnte – insgesamt ist der Film für sechs Academy Awards nominiert. Tatsächlich ist die Geschichte von der schwarzen Familie aus Compton, diesem übel beleumundeten Vorort von Los Angeles, die es in der in jeder Hinsicht weiß konnotierten Sportart Tennis an die Weltspitze schaffen will, ebenso faszinierend wie die ambivalente Figur des besessen ehrgeizigen Vaters, der schon vor der Geburt der künftigen Weltranglistenersten beginnt, das Leben und die Karrieren seiner Töchter akribisch durchzuplanen.

Smith, zwei Jahrzehnte nach seinem Auftritt als Boxlegende „Ali“ nun grau meliert und von leicht gekrümmter Statur, spielt Williams in einer fein austarierten Mischung aus sympathischem Filou und übergriffigem Kontrollfreak. Als kompromisslose Nervensäge versucht er in den frühen Neunzigern lange erfolglos, potenzielle Trainer und Agenten für seine Töchter zu gewinnen. Aunjanue Ellis („Lovecraft Country“) spielt Richards um Ausgleich bemühte Frau Brandy, Jon Bernthal („The Many Saints of Newark“) den Coach Rick Macci, der die Weltkarriere der Williams-Schwestern schließlich einleitet.

Der Film endet, als sich der Erfolg einstellt. Der sich hier darin bemisst, welches der Mädchen in wie jungen Jahren einen wie hoch dotierten Werbevertrag mit den führenden Turnschuhherstellern vorweisen kann. Am Märchen vom „American Dream“ und seiner meritokratischen Idee, dass es jeder schaffen kann, der nur hart genug arbeitet, wird hier jedenfalls nicht gerüttelt.

Dennoch: Will Smiths einzigartige Quälgeist-Performance ist so gut, dass man sich davon gerne einkitschen lässt. Sehenswert.

        

Startseite
ANZEIGE