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„Monte Verità – Der Rausch der Freiheit“

Ringelpiez nackt ums Lagerfeuer

Die Künstlerkommune am Monte Verità nahm das Hippie-Lebensgefühl schon am Beginn des 20. Jahrhunderts vorweg. Diese schweizerisch-deutsch-österreichische Koproduktion beleuchtet das Geschehen in der Tessiner „Naturheilanstalt” anhand einer fiktiven Wiener Hausfrau, die stellvertretend für die Zuschauer als Reiseleiter fungiert. Etwas weniger bieder hätte das aber schon ausfallen können.

Von Gian-Philip Andreas

Hanna Leitner (Maresi Riegner) macht sich auf den Weg. Foto: DCM

Schriftsteller Hermann Hesse, Ausdruckstanzpionierin Isadora Duncan, Philosoph Ernst Bloch – sie und andere Intellektuelle ließen sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeitweise auf einem idyllischen Hügel am Lago Maggiore nieder. Der Monte Verità im Tessiner Ort Ascona, Naturheilanstalt und Freigeisterkooperative, Hotspot der „Lebensreformer“ und Künstlerkolonie, ist so etwas wie die Urmutter der Hippiekultur: Alles kreiste dort um entfesselte Kreativität, freie Liebe, erlöstes Seelen- und Körperheil.

Anhand der fiktiven Figur Hanna Leitner (Maresi Riegner, „Egon Schiele“), die aus ihrer krankmachenden Ehe ausbricht und dem Psychiater Otto Gross (Max Hubacher, „Der Hauptmann“) aus Wien zum Monte Verità hinterherreist, zeichnet Regisseur Stefan Jäger („Birthday“) in vielen impressionistischen Szenen das Leben in der Kommune nach. Angesichts des frei schwingenden FKK-Ringelpiezes ums Lagerfeuer will Hanna eigentlich wieder abreisen, dann aber löst sie doch noch ihr Korsett, von der deutschen Verità-Gründerin Ida Hofmann (Julia Jentsch) wird sie zur offiziellen Foto-Chronistin ernannt.

Interessant ist das schon, doch die Inszenierung geriet zu bieder: Akkurat hakt sie die historisch mal verbürgten, mal spekulativen Aspekte ab und hangelt sich bedenklich nah am Schulfernsehen entlang.

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