1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Kino-kritik
  6. >
  7. Schicksals-Glück und Seelen-Elend

  8. >

„Warten auf Bojangles“

Schicksals-Glück und Seelen-Elend

Münster

Ein junges Paar erlebt in den 50er Jahren alle Höhen und Tiefen einer Amour Fou bis zum bitteren Ende. Sehenswertes Liebesdrama nach einem Debütroman, von den Hauptdarstellern Romain Duris und Virginie Efira hinreißend verkörpert.

Von Hans Gerhold

Romain Duris (M.) und Virginie Efira (r.) – hier mit Solan Machado-Graner – zeigen in dem französischen Liebesdrama ein großes emotionales Spektrum. Foto: Studiocanal

Der Titel des französischen Liebesdramas „Warten auf Bojangles“ (im Original gleich lautend) bezieht sich wie der Song „Mr. Bojangles“ (1968) auf den amerikanischen Stepptänzer Bill „Bojangles“ Robinson, der als erster nicht mit flachem Fuß, sondern auf den Fußballen tanzte. Im übertragenen Sinn kann er für sorglos, aber ebenfalls für streitlustig stehen. Beides setzt im Debütroman von Olivier Bourdeaut wie im Film entscheidende Akzente.

Als sich Georges (Romain Duris, „Eiffel in Love“) und Camille (Virginie Efira, „Mein ziemlich kleiner Freund“, mit Jean Dujardin) Ende der 50er Jahre begegnen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Die Lust auf hingebungsvolles Tanzen à la Mr. Bojangles ist Auftakt zu dieser bedingungslosen Amour Fou, die von der großen exzessiven Romanze durch rauschende Höhen und Tiefen führt.

Sorglos, spontan und abseits der Konventionen bürgerlichen Lebens, rasen Georges und Camille durch Schicksalsglück und Seelenelend. So wie sie anfangs von einer Party der Reichen an der Cote d’Azur flüchten, wird ihr Leben in Dauerlauf und Dauertanz verlaufen. Auf Hochzeit, Geburt und Herumtollen mit dem Sohn folgen Georges’ Versuche, mit Arbeit Fuß zu fassen und Phasen, die in Camilles dunkle Seiten und in die Anstalt führen.

Regisseur Régis Roinsard („Mademoiselle Populaire“) inszeniert Schauspielstars, die ein großes emotionales Spektrum bewältigen. Hinreißend Efira als manisch-depressive Exzentrikerin und Duris als vergeblich gegen Zerstörungen kämpfender Liebender, die an Marion Cotillard und Guillaume Canet erinnern, die dieses erschütternd endende Spiel 2003 in „Liebe mich, wenn du dich traust“ (Empfehlung) durchexerzierten. Sehenswert.

Startseite
ANZEIGE