1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Kino-kritik
  6. >
  7. Schmachten und Schweben

  8. >

„Cyrano“: Der Theaterklassiker wird zum Musical-Drama

Schmachten und Schweben

Der Theaterklassiker „Cyrano de Bergerac“ in einer verträumten Musical-Version, in der der Held der Feder und des Degens ein kleinwüchsiger Hauptmann der Gascogner Garde ist, der für seinen Rivalen Liebesbriefe schreibt. Überzeugend in der Hauptrolle (Peter Dinklage), ansonsten ein Schmacht-Drama mit Schwermut-Songs.

Von Hans Gerhold

Cyrano (Peter Dinklage) Foto: dpa

Der tragikomische Theaterheld mit dem riesigen Zinken im Gesicht und dem romantischen Herzen in der Brust, „Cyrano de Bergerac“ aus dem Jahr 1897, hat seit 1922 auch zahlreiche Filmauftritte hinter sich. In klassischen Versionen (die beste ist die mit Gérard Depardieu), Modernisierungen („Roxanne“ mit Steve Martin) und Teenie-Versionen wie der deutschen Überraschung „Das schönste Mädchen der Welt“, wo es statt Alexandrinern Rapper-Reime hagelt.

Mit dem Musical-Drama „Cyrano“ betritt der Held der Feder und des Degens wieder Neuland. Diesmal wohl aus Liebe von Erika Schmidt, die 2018 ihrem Gatten Peter Dinklage (der „Game of Thrones“-Star) das Theaterstück mit leichten Veränderungen auf den Leib schrieb, woraus 2021 der Film entstand. Nicht mehr der mächtige Kolben, sondern die Kleinwüchsigkeit ist jetzt auffälliges Zeichen der Andersartigkeit.

Dabei hat es der wie Musketier d’Artagnan aus der Gascogne stammende Cyrano zum Hauptmann der Garde gebracht, weiß Gegner mit dem Degen zu brüskieren (die Paradeszene mit Perücke) und ist Freund der lieblichen Roxanne (Haley Bennett), die in den schönen Kadetten Christian (Kevin Harrison Jr.) verliebt ist. Der ist ein tumber Soldat, für den Cyrano die an Roxanne gerichteten Liebesbriefe schreibt, die Christian in der x-ten Variation der Balkon-Szene aus „Romeo und Julia“ runterleiert.

Pardon, hier wird gesungen und getanzt. Denn Regisseur Joe Wright, mit „Stolz und Vorurteil“ und „Abbitte“ in romantisch historisierenden Stoffen bewandert, lässt zur Musik der Indie-Band „The National“ aus Cincinnati Soldaten schweben und schwermütige Songs anstimmen („Wherever I Fall“). Ein wenig dynamischer hätte es in dem verträumten und visuell mit Weichzeichnern überromantisierten Schmacht-Drama schon zugehen können, aber wichtiger ist, dass Dinklage in seiner Mischung aus Schmerz und Arroganz überzeugt. Hach!

Startseite
ANZEIGE