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Oscarpreisträgerin Emma Stone kann alles, jetzt zeigt sie uns, wie „Cruella” grausam wurde

Schwarz-weißes Haar und dunkle Rache

Emma Stone ist eine der meistgefeierten Schauspielerinnen ihrer Generation. Die 32-jährige Oscarpreisträgerin kann von der Teeniekomödie bis zum Prestige-Drama alles, jetzt schlüpfte sie in die Rolle einer der fiesesten Disney-Schurkinnen überhaupt. Der Film ist mau, aber sie ist natürlich wieder toll.

Von Gian-Philip Andreas

Emma Stone als Cruella de Vil Foto: imago/United Archives

Sie jagte jagte Untote durch ein verheertes Amerika („Zombieland“), kämpfte für schwarze Hausmädchen in den Südstaaten („The Help“), sie war die Tennisspielerin Billie Jean King („Battle of the Sexes“) und das Mädchen, in das sich „The Amazing Spider-Man“ verliebte – und allerspätestens seit ihrem Oscar für das Musical „La La Land“ ist nicht mehr zu leugnen, dass es sich bei ihr um eine der versiertesten Schauspielerinnen Hollywoods handelt: Emma Stone.

Bekannt geworden ist die heute 32-Jährige aus Arizona mit sympathischen Teenagerkomödien wie „Einfach zu haben“, und wenn man mal von der erschütternd charmelosen Rom-Com „Der Womanizer“ absieht, griff sie selbst in der Frühphase ihrer Karriere selten so richtig daneben. Ganz nach oben ging es für sie dann in der Dramödie „Birdman“ (2014). Die ungeschnittene Szene, in der sie ihrem Filmvater Michael Keaton, der einen Ex-Filmstar am Theater spielt, die Leviten liest, ist die beste des Films und so intensiv, dass Stone darin ihre erste Oscarnominierung eintüten konnte. Zwei Jahre nach „La La Land“ wurde sie gleich ein drittes Mal für den Oscar nominiert: Im garstigen Kostümfilm „The Favourite“ glänzte sie als intrigante Zofe von Königin Anne.

Vom frühen 18. Jahrhundert bis in die Zombie-Apokalypse passen Emma Stone und ihre Sommersprossen in so ziemlich jedes Szenario. Dann kann es jetzt zur Abwechselung auch mal die Rolle der Cruella de Vil sein. Das ist jene schwarzweißhaarige Superschurkin, die jedes Kind zu hassen gelernt hat, das mitansehen musste, wie sie sich im 1961er Disney-Klassiker „101 Dalmatiner“ aus niedlich getupften Laufhunden einen exklusiven Pelzmantel schneidern lassen wollte.

Der Film „Cruella“ ist nun ein Prequel, das überlang und auch ungelenk die Vorgeschichte der berühmten Übeltäterin erzählt, ihren Weg vom trickdiebischen Waisenkind zur rachsüchtigen Teufelin verfolgt, sicher kein Meisterwerk, wegen der spektakulären Kostüme aber immerhin optisch aufregend. Vor dem Hintergrund der Modewelt im London der Siebziger fetzt sich Emma Stone mit Emma Thompson, die Cruellas eisige Rivalin spielt. Und für diesen Clinch der beiden Oscarpreisträgerinnen lohnt er sich dann doch, dieser etwas kuriose Eintrag in Stones Filmografie.

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