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„Die Sch’tis in Paris“: Verspäteter Aufguss der Erfolgskomödie

Slusch mit luschtig

Vor genau zehn Jahren landete Dany Boon mit „Willkommen bei den Sch’tis“ einen Riesenhit als Darsteller und Regisseur: Unglaubliche 20 Millionen Franzosen sahen den Culture-Clash-Klamauk um einen südfranzösischen Postbediensteten, den es nach Nord-Pas-de-Calais verschlägt, wo die Leute einen seltsamen Dialekt sprechen und mit furchterregender Konsequenz „s“ und „sch“ verwechseln.

Gian-Philip Andreas

Möbeldesigner Valentin (Dany Boon) sorgt bei Constance (Laurence Arné) für Verwunderung. Foto: David Koskas

Erstaunlich, dass es bis zum zweiten Teil ein ganzes Jahrzehnt dauerte, zumal Boon als Regisseur seither an diesen Erfolg nicht mehr anknüpfen konnte. Doch Vorsicht: „Die Sch’tis in Paris“ ist keine echte Fortsetzung. Nur das Motiv der Sch’ti-sprechenden Sippe ist geblieben, und mit Boon selbst, Guy Lecluyse und Line Renaud (als ruppige Matriarchin) treten drei der alten Darsteller wieder auf, allerdings in anderen Rollen.

Boon spielt diesmal den Möbeldesigner Valentin D., der seine Sch’ti-Wurzeln verleugnet und sich erfolgreich durch die versnobte Pariser Schickeria bewegt – der Blick auf das „abgehobene“ urbane Künstler-Milieu ist unangenehm populistisch. Dem wird die „herzliche“ Provinz entgegengestellt: Die Sch’tis fallen an der Seine ein, um den verlorenen Sohn um Geld zu bitten. Dieser ist entsetzt, fällt nach einem Unfall ins Koma, nur um im Körper seines verdrängten Selbsts als Sch’ti wieder zu erwachen – zum Verdruss seiner Partnerin Constance (Laurence Arné aus „Nichts zu verschenken“).

Zum Zusammenprall der Kulturen, der auch diesmal wieder zündende Gags liefert und Altstar Pierre Richard als Bonus bringt, kommt also eine Gedächtnisverlustgeschichte, die unglücklicherweise sehr einfallsarm geraten ist. So reicht es am Ende nur zur schnell vergessenen Instant-Bespaßung für beinharte „Sch’tis“-Fans.

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