1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Kino-kritik
  6. >
  7. „Kimi”: Schnörkelloser Verschwörungsthriller

  8. >

Sprachassistent des Grauens

„Kimi”: Schnörkelloser Verschwörungsthriller

„Ocean’s Eleven”-Regisseur Steven Soderbergh dreht zwischen seinen größeren Filmen immer wieder kleinere Thriller mit schmalem Budget – so auch diesen feinen Paranoia-Thriller aus der Tech-Welt mit Zoë Kravitz. Man sollte das Privileg nutzen, ihn in Deutschland im Kino sehen zu können – in den USA zum Beispiel landet er direkt auf dem Streamingdienst HBO Max.

Von Gian-Philip Andreas

Angela (Zoë Kravitz) müsste die Wohnung verlassen. Nicht so einfach für sie ... Foto: Warner Bros.

Als sich weite Teile der Welt im Frühjahr 2020 in den ersten Shutdown verabschiedeten, verzeichnete ein damals neun Jahre alter Film gigantische Zugriffszahlen bei den Streamingdiensten: Steven Soderberghs Seuchenthriller „Contagion“ über ein sich rasant verbreitendes tödliches Virus. Soderberghs neuester Film (es ist der dritte, den er seit 2020 herausbringt) befasst sich nun konkret mit Corona, nutzt die Pandemie aber lediglich als erzählerischen Hintergrund: „Kimi“ ist kein Corona-Film, aber ein Film aus Corona-Zeiten.

Wie so einige der kleinen, feinen Thriller, die Soderbergh zwischen seinen Großproduktionen gleichsam „nebenbei“ dreht, basiert auch „Kimi“ auf einem schnörkellosen Konzept: IT-Arbeiterin Angela (Zoë Kravitz aus „High Fidelity“), die von zu Hause aus die Performance eines digitalen Assistenten namens „Kimi“ (à la „Alexa“) überprüft, stößt auf einen dubiosen Audiostream, in dem offenbar ein Mord zu hören ist. Damit die noch dubiosere Herstellerfirma handelt, soll Angela deren Bürogebäude aufsuchen. Doch die junge Frau mit den blau gefärbten Haaren leidet an Agoraphobie, traut sich kaum aus der Wohnung, muss sich nun durch die von Protestlern bevölkerten Straßen von Seattle schlagen – und dann noch eine Verschwörung aufdecken.

Der Plot von Altmeister David Koepp („Jurassic Park“) ist solide gebaut, gewiss, doch am meisten freut hier Soderberghs ballastfreie, an Vorbildern wie Hitchcock oder auch „Blow Out“ von Brian DePalma geschulte Inszenierung – wie hier überhaupt viel an die Thriller dieses cleversten aller Hitchcock-Epigonen erinnert. 89 gegen Ende sehr spannende Minuten: ein Glücksfall. Unaufwendiges, kompetentes Genrekino wie dieses ist im Kino rar geworden. Sehenswert.

Startseite
ANZEIGE