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Der Oberst mit den gelben Zähnen

„Stasikomödie”: Leander Haußmann veralbert den Repressionsapparat

Ganze 23 Jahre nach „Sonnenallee” und 17 Jahre nach „NVA” liefert Leander Haußmann einen Schlussteil seiner DDR-Trilogie nach, der genau das liefert, was sein Titel verspricht – mit mal mehr, mal weniger großem Erfolg. Der Film über einen naiven systemtreuen Mann, der für die Stasi die Künstlerszene bespitzeln soll und dann die Seiten wechselt, hat gute Momente – und viel schalscherzigen Leerlauf.

Von Gian-Philip Andreas

Jede Menge DDR-Nostalgie herrscht trotz des Stasi-Themas in Leander Haußmanns Komödie. Wieder mit dabei: Henry Hübchen (kl. Bld). Foto: Constantin

Heute ist der Prenzlauer Berg das durchgentrifizierteste Viertel von Berlin, in den Achtzigern hatte sich dort die oppositionelle Künstlerszene der DDR angesiedelt – sehr zum Missfallen der „Staatssicherheit“, die die regimekritische Szene immer wieder zu infiltrieren suchte. Nach der Wende mussten viele Künstler erfahren, dass sie von ihren Freunden hintergangen worden waren – etwa vom Lyriker Sascha Anderson.

An dessen Fall erinnert vieles in Leander Haußmanns neuer Klamotte, die als Abschluss einer „DDR-Trilogie“ annonciert wird, zu der bereits sein Riesenhit „Sonnenallee“ und die gnädig vergessene Posse „NVA“ gehören. „Stasikomödie“ erzählt von einem systemtreuen jungen Mann (David Kross), der von der Stasi re-krutiert wird besagtes Künstlermilieu zu bespitzeln, dabei auf zwei potenzielle Partnerinnen stößt und allmählich so sehr in die Szene hineinwächst, dass er selbst zum ernstzunehmenden Künstler wird und wiederum bespitzelt werden muss. In einer im Heute angesiedelten Rahmenhandlung gilt der gealterte Mann (nun: Jörg Schüttauf) längst als bedeutender Oppositioneller.

Eine Komödie von vielen

Haußmann, als junger Mann selbst von der Stasi gegängelt, lässt sich den Spaß nicht nehmen, den Repressionsapparat gebührend zu veralbern, mit Stasi-Minister Mielke beim Kostümfest, fröhlich vor sich hin dilettierenden Agenten, Detlev Buck als Vopo und Henry Hübchen als Stasi-Boss mit zigarettengelber Zahnprothese. Weil Haußmann die Künstlerszene aber als mindestens genauso eitlen bis depperten Haufen zeigt, stellt sich ein durchaus diskutables Gleichgewicht des Witzelns ein: Spitzel und Bespitzelte sind hier gleich bespöttelnswert.

Bei sanftem Spott bleibt es denn aber auch. Da Haußmanns Inszenierung an scharfer Satire nicht interessiert ist und auf jede pointierte Beobachtung lieber ein paar Seichtscherze folgen lässt, kann man das Ganze auch anders sehen: als komödiantische Antithese zu Donnersmarcks Oscargewinner „Das Leben der Anderen“ – der von Henry Hübchen ja seinerzeit öffentlich als „Politschmonzette“ kritisiert wurde. Die „Stasikomödie“ gemeindet die Zumutungen des Lebens in der DDR lieber in den Fundus des allgemein Absurden ein – und wirkt dabei wie eine Komödie von vielen.

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