1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Kino-kritik
  6. >
  7. Tafelrunde wird Psychotrip

  8. >

„The Green Knight“: Originellster Ritterfilm seit Jahren

Tafelrunde wird Psychotrip

Regisseur David Lowery ist in allen Genres zu Hause, diesmal schenkt er uns einen Ritterfilm. Und was für einen! Die Heldenreise des jungen Recken Sir Gawain zum Grünen Ritter, der ihn einer Tugendprüfung unterzieht, funktioniert als spannender Abenteuerfilm – und als halluzinogenes Gedankenspiel.

Von Gian-Philip Andreas

Gawain (Dev Patel) und die schöne Lady Eccel (Alicia Vikander) auf ihrem Rittertrip. Foto: dpa

Zuletzt wirkten Ritterfilme immer etwas aus der Zeit gefallen, aber dieser hier ist so gut, dass er in den Top-Listen dieses Kinojahres landen könnte: In „The Green Knight“ wird die mittelenglische Ritterromanze „Sir Gawain und der Grüne Ritter“ so originell nacherzählt, dass ein klassischer Abenteuerfilm und dessen Dekonstruktion zugleich dabei herauskommen.

Im Mittelpunkt steht eine Heldenreise aus dem Fundus der Artussage: Der junge Ritter Gawain schlägt im Rahmen einer Wette dem Grünen Ritter den Kopf ab. Der setzt ihn sich wieder auf und verlangt seinen Wetteinsatz zurück: dass Gawain ein Jahr später, bei der „Grünen Kapelle“, dasselbe mit sich machen lässt. Beunruhigt bricht Gawain auf, auf seiner langen Reise trifft er Diebe, Geisterfrauen, faselnde Füchse und ein adeliges Ehepaar, das ihn in verwirrende Spiele verwickelt.

Am Ende des fast halluzinogenen Trips treibt Regisseur David Lowery dann ein Spiel mit dem Konjunktiv des Geschehens und mit der vergehenden Zeit – wie man es aus seinem Meisterwerk „A Ghost Story“ kennt. „Slumdog Millionär“ Dev Patel ist, gezielt gegen den Strich besetzt, ein grandios zweifelnder Sagenritter, auch Alicia Vikander in einer Doppelrolle ist atemberaubend gut. Ein beachtliches Werk, das auf der großen Leinwand eine erstaunliche Wirkmacht entfaltet. Sehenswert.

Startseite