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„Je suis Karl“: Packendes Drama um die neue Rechte

Terror, Trauma und Trauer

Durch eine Familientragödie traumatisiert, verfällt eine junge Frau dem smarten paneuropäischen Führer einer rechtsradikalen Organisation. Packendes Politdrama, das von den Hauptdarstellern Jannis Niewöhner und Luna Wendler lebt und vor der neuen Rechten warnt.

Von Hans Gerhold

Maxi (Luna Wendler) ahnt noch nicht, was der nette Karl (Jannis Niewöhner) auf dem Kerbholz hat. Foto: Sammy Hart/Pandora Film/dpa

Den Gefahren von Rechtsextremismus geht das Politdrama „Je suis Karl“ nach, dessen süffisanter deutsch-französischer Titel sich aufs Attentat aufs Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris und den Solidaritätsslogan „Je suis Charlie“ bezieht. In der Story um Terror, Trauma und Trauer warnt Regisseur Christian Schwochow („Deutschstunde“) vor subversiven und destabilisierenden Aktivitäten der neuen Rechten.

Als deren charismatischer paneuropäischer Führer Karl ist Jannis Niewöhner zur Stelle, der gerade als „Hochstapler Felix Krull“ besticht und ebenso einfühlsam wie Manns Verführer Menschen ins Netzwerk der Organisation „Re/Generation“ zieht. In Prag, wo sich die Rekruten treffen, gibt es Partys wie beim Rockfestival, attraktiv für Feiersüchtige und Selfiedioten

Im Zentrum des süßen Wahns steht Maxi (Luna Wendler, „Das schönste Mädchen der Welt“), deren Brüder einem Attentat per Paketbombe zum Opfer gefallen sind, das auf Karls Konto geht. Er nimmt sich der traumatisierten Maxi an, bringt sie ins Bett und in die Organisation. Maxis Vater („Beckenrand“-Sheriff Milan Peschel gewohnt gut) steht da auf ebenso verlorenem Posten wie vor brennenden Autos.

Schwochow hat das gewollt thesenhaft mit teils dokumentarisch wirkenden Aufnahmen inszeniert, die auf die Allgegenwärtigkeit von Terror und Manipulierbarkeit der Anhänger zielen. Mit Glatzen und Springerstiefeln hat die neue Rechte, die auf Europa zielt, nichts am Hut. Der Film lebt von Niewöhner als smartem und eiskaltem Propagandisten mit flammenden rechtsradikalen Reden und Aufruf zur Gewalt und von Wendler als junger Frau zwischen Trauer, schmerzhafter Wut und bitterer Erkenntnis. Packend bis zum Fanal im Finale.         

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