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Engagiertes Ritterdrama von Ridley Scott

„The Last Duel”: Mittelalter mal drei

Ridley Scott kennt sich aus mit Rittern – nach seinem Debüt „Die Duellisten”, „Königreich der Himmel” und „Robin Hood” legt der 83-Jährige nach. Und er überrascht mit einem historisch grundierten Mittelalter-Justizdrama mit feministischem Anstrich.

Von Gian-Philip Andreas

Narbengesicht mit Ritterrüstung: Jean de Carrouges (Matt Damon) wird sich duellieren müssen. Foto: 20th Century Studios

Der beste Ritterfilm des Jahres ist schon gelaufen: An „The Green Knight”, dieses formschöne Unikat, kommt auch Ridley Scotts neues Werk nicht ganz ran – obwohl es ziemlich gut ist. Der „Blade Runner”-Regisseur ist ja selbst ein Unikum. Nächsten Monat wird er 84, unermüdlich dreht er Filme und überrascht nun alle mit einem feministischen Ritterdrama, das auf historischen Tatsachen beruht.

Das titelgebende Duell war das letzte, das im Mittelalter vom König als sogenannter „Gerichtskampf” erlaubt worden war. Im Dezember 1386 fand es statt, um eine Pattsituation aufzulösen. Der normannische Ritter Jean de Carrouges hatte seinen früheren Freund Jacques Le Gris verklagt. Dieser hatte sich nicht nur in der Gunst des Grafen von Alençon an ihm vorbeigeschlichen, er soll auch Carrouges’ junge Frau Marguerite vergewaltigt haben. Aussage stand gegen Aussage – im Duell ging es um ein offizielles Gottesurteil.

Es knirscht und scheppert wie im Schlachthaus

Scotts Film zieht den Fall in „Rashomon”-Manier auf: Wie in Akira Kurosawas Klassiker wird das Geschehen nacheinander aus divergierenden Perspektiven beleuchtet. Zuerst schildert Carrouges seine Sicht, dann verteidigt sich Le Gris, im dritten Teil erzählt Marguerite schließlich, wie es wirklich war – eine Anklage, stellvertretend für alle Frauen, die Ähnliches erleben mussten. „The Last Duel” ist der erste #MeToo-Vertreter des angestaubten Rittergenres, und es spricht sehr für den Film, dass diese moderne Umdeutung des verbürgten Falls nie ungelenk wirkt.

Matt Damon, der als Carrouges mit Ziegenbart und Manta-Matte so aussieht wie Metverkäufer Manni auf dem Mittelaltermarkt in Mettmann, schrieb das Drehbuch zusammen mit Ben Affleck (der den Grafen spielt) und Nicole Holof­cener. Als Le Gris darf Adam Driver das „Star Wars”-Lichtschwert gegen die Lanze eintauschen, und Jodie Comer aus „Free Guy” glänzt als Marguerite. Regisseur Ridley Scott ist vor allem in den – allerdings recht kurzen – Schlachtenszenen und dann natürlich im finalen Duell ganz in seinem „Gladiator”-erprobten Action-Element: Da geht es dann einigermaßen heftig zu, und auf der Tonspur rasselt, scheppert und knirscht es wie im Schlachthaus. Sehenswert.

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