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Kino-Kritik

„Thelma“: Adoleszenz als Thriller

Thelma kommt aus einer streng gläubigen Familie, fürs Biologiestudium zieht sie aus der norwegischen Provinz in die Hauptstadt Oslo. Allmählich dockt die schüchterne junge Frau (Eili Harboe) ans dortige Studentenleben an, macht erste Erfahrungen mit Alkohol, Drogen und Partys. 

wn

Thelma (Eili Harboe) vor flackernden Lichtern Foto: dpa

Mit Kommilitonin Anja (Kaya Wilkins) verbindet sie bald mehr als nur eine Freundschaft. Zugleich häufen sich beängstigende Situationen: Lichter flackern, in der Bibliothek oder im Schwimmbad erleidet Thelma Epilepsie-artige Anfälle, die aber keine sind, sondern eher Kräfte zu unterdrücken scheinen, die seit Kindestagen in ihr schwelen. Schon zu Beginn sieht man, wie Vater Trond (Henrik Rafaelsen) mit dem Jagdgewehr auf sie zielte: Was ahnt er?

Regisseur Joachim Trier ist ein Meister der nuancierten Charakterstudie. Nach seinem englischsprachigen Film „Louder Than Bombs“ kehrt er hier in die norwegische Heimat zurück und lässt metaphysische Mystery-Elemente in eine klassische Coming-of-Age-Geschichte einfließen – Stephen Kings „Carrie“ trifft auf Hans-Christian Schmids „Requiem“. Den allmählichen Ein- und Ausbruch des Ungeheuerlichen inszeniert Trier in spektakulären Bildern und klar an Hitchcock geschulter Suspense-Dramaturgie. Sehenswert.

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