Filme der Woche

„Und der Zukunft zugewandt“: Behäbige Historie

Auf die Idee zum DDR-Historiendrama „Und der Zukunft zugewandt“ kam Regisseur Bernd Böhlich 1988, als ihm beim „Tatort“-Dreh die Schauspielerin Swetlana Schönfeld die Geschichte ihrer Mutter erzählte. 30 Jahre später wurde daraus dieser Film, der ein relativ unbekanntes Kapitel von Frauen in der DDR (1949 - 1991) erzählt und in dem Schönfeld eine kleine Rolle spielt.

Hans Gerhold

Sie leidet wieder sanftmütig, umringt von fiesen Kerlen: Alexandra Maria Lara. Foto: Neue Visionen Filmverleih

Als 1989 die Mauer fällt, erinnert sich Antonia Berger (Alexandra Maria Lara) daran, wie sie 1952 nach Jahren im sibirischen Straflager mit der kleinen Tochter die Kleinstadt Fürstenberg erreicht, wo ihr die sozialistische Kreisleitung eine Stelle im Kulturhaus verschafft. Einzige Bedingung für die Fürsorge und Anteilnahme: Antonia darf nicht über die Jahre im Lager und den Großen Bruder UdSSR sprechen.

Das war in der DDR ein absolutes Tabu, über das sich allerdings etwa Filmemacher Konrad Wolf hinwegsetzte. Seine Filme „Sonnensucher“, „Ich war neunzehn“ und „Mama, ich lebe“ zeigen die sowjetischen Besatzer differenziert und kritisch.

Zurück zu Antonia: Lara („Der Untergang“) spielt die Frau mit dem Gewissen in Aufruhr, die nicht reden darf, mit ihrer charakteristischen Augenpartie entsetzter und genervt leidender Weitblicke etwas eintönig. Sie verliebt sich in einen Arzt (Robert Stadtlober), der – das gab es tatsächlich – aus dem Westen in die DDR wechselt und an die sozialistische Idee glaubt.

Als gebrochene Figur tritt der kommunistische Funktionär jüdischer Herkunft Silberstein (Stefan Kurt) auf, der den Dogmen der Partei gehorcht, andererseits als Idealist „der Zukunft zugewandt“ (die zweite Zeile der DDR-Nationalhymne) denkt. Dem stehen Antonias Freundinnen gegenüber. Susanne (Barbara Schnitzler) geht in den Westen, Irma (Karoline Eichhorn) trinkt sich zu Tode. Böhlich hat das lakonisch, ernst und etwas behäbig inszeniert und leider auch Klischees eingestreut. Nicht jeder Nachbar war Informant der Stasi.

Bewertung

"Und der Zukunft zugewandt": Etwas behäbig inszenierte Historie, 108 Minuten, 3 von 5 Sternen.

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