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„Gaza mon amour“: Beherzte Komödie

Vom Fischer, den Frauen und viel Parfüm

Fischer Issa aus Gaza verliebt sich in eine Witwe und Schneiderin. Entspannte und lakonisch inszenierte Komödie mit dem Gazastreifen als politischer Hintergrund. Sehenswert.

Von Hans Gerhold

Palästinenser Issa (Salim Daw) aus Gaza hat ein liebendes Auge auf Schneiderin Siham (Hiam Abbass) geworfen. Foto: Alamode

Die Strahlkraft ihrer Augen hat auch mit 60 Jahren noch nicht nachgelassen, was der neue Film mit der israelischen Schauspielerin („Roter Satin“, „Lemon Tree“) und Regisseurin Hiam Abbas zeigt, wenn ein Verehrer sie aus der Ferne anblickt, aber sich nicht zu nähern wagt. Palästinenser Issa (Salim Daw) aus Gaza hat ein liebendes Auge auf Schneiderin Siham (Abbas) geworfen.

Leider ist der Mann ein Fischer, dem die Beute aus dem Meer und lecker mit Salz und Pfeffer zubereitete Gerichte Geruchsprobleme bei Frauen bereiten. Da mag ihm seine patente Schwester „eine bunte Auswahl“ heiratswilliger jüngerer Frauen ins Haus zerren. Der Mann will die Witwe. Zu allem Überfluss hat er eine Statue mit erigiertem Penis aus dem Hafen gefischt, die ihm Ärger mit der israelischen Polizei einbringt – und den Mut, den Mund zu öffnen.

Das Zwillingspaar Tarzan und Arab Nasser hat die wunderbar entspannte und lakonisch ablaufende Liebeskomödie „Gaza mon amour“ wie einen Kaurismäki-Film inszeniert, hätte der im Gazastreifen gefilmt. Die fatale Grenze spielt im politischen Hintergrund eine bedeutsame Rolle, wenn Issa von der „Hölle, in der wir leben“ spricht, eine Rakete demonstrativ am Himmel schwebt und Issa aus Angst wegen schießender Soldaten unfreiwillig uriniert.

Womit wir bei der Hose wären, die Issa in den nur Frauen vorbehaltenen Laden von Siham bringt. Da und in der Folge lässt Hiam Abbas, die den Konflikt an der Grenze in der eigenen Regiearbeit „Eine Familie im Krieg“ thematisierte, ihre funkelnden Augen sprechen. Der Film braucht dazu noch ein wenig Chopin, Puccini und Tschaikowski, der gute alte Issa endlich Worte – und eine Menge Parfüm. Sehenswert.

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