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„Der Mann, der seine Haut verkaufte“: Halb Satire, halb Drama

Wandelndes Kunstwerk

Ein politischer Flüchtling lässt sich als lebendes Kunstwerk vermarkten und erlebt entmenschlichende Praktiken. Satire auf den Kunstbetrieb, westliche Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen und ein mephistophelischer Pakt verbinden sich zu einer visuell reizvollen Parabel.

Von Hans Gerhold

Soraya (Monica Bellucci) zeigt Sam Ali (Yahya Mahayni) ein Foto vom Kunstwerk auf seinem Rücken. Foto: Bac Films

Themen wie eine Satire auf den Kunstmarkt, das Elend von Flüchtlingen und der Pakt mit dem Teufel geben sich in „Der Mann, der seine Haut verkaufte“ die Hand. Der ziellose, impulsive Syrer Sam Ali (Yahia Mahayni) flieht in den Libanon, arbeitet in einer Hühnerschlachterei, treibt sich auf Vernissagen herum, um von reichhaltigen Buffets abzugreifen, wird ertappt und geht mit Künstler Jeffrey (Koen de Bouw) einen Handel ein. Sam wird mit dem Schengen-Visum als Rücken-Tattoo zum wandelnden Kunstwerk, erhält eine Million und Reisefreiheit für 22 EU-Staaten. Ali will die in Brüssel vor der Heirat mit einem Diplomaten stehende Abeer gewinnen, doch die Vertragsklausel, jederzeit auf Ausstellungen verfügbar zu sein, macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Der mephistophelische Pakt mit dem provokativen Künstler und die Absurditäten der Kunstwelt funktionieren bei der tunesischen Regisseurin und Autorin ­Kaouther Ben Hania ähnlich wie in „The Square“. Wenn sie aber Kunstbetrieb und westliche Gleichgültigkeit mit Entmenschlichung im Krieg gleichsetzt, flüchtet sie sich in Plattitüden und Erklärungen. Sie unterlaufen die visuellen Qualitäten des Films, dem es auch um verlorene Würde und Ehre geht. Ein Lichtblick ist Monica Bellucci als Soraya, die zynische und versnobte Assistentin von Jeffrey, die sich als etablierte Szene-Dame durch nichts erschüttern lässt. Eine reizvolle Parabel.

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