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Weggefeudelte Kunstwerke 

„Maria träumt”: Karin Viard in einer stereotypen Selbstfindungskomödie

Fast jeden Monat gibt es eine dieser französischen Feelgood-Komödien, in denen bislang Untergebutterte endlich einen Weg ins freie Leben finden. Diesmal geht’s um eine Reinigungskraft, die sich durch die Begegnung mit Kunst und jungen Künstlern aus den Fesseln ihrer problembeladenen Existenz lösen kann.

Von Gian-Philip Andreas

Maria (Karin Viard) lässt sich poträtieren. Foto: Julien Panié

In der nie enden wollenden Reihe französischer Wohlfühlfilme rund um Unterprivilegierte oder Abgehängte oder aber vom Leben Enttäuschte, die durch Begegnung mit völlig anderen Lebensräumen oder Kulturen oder aber der Kunst an sich neuen Lebensmut schöpfen oder sich selbst finden, geht es diesmal um eine Reinigungskraft um die Fünfzig, die es an die Pariser Kunsthochschule verschlägt. Der Rest des Films ist wie üblich von vornherein klar: Natürlich steht Maria, so heißt die schüchterne Protagonistin, zunächst ratlos vor den Kunstwerken, ebenso natürlich wird der kreative Geist der jungen Studierenden sie zügig mitreißen und ihr bisheriges Leben, auch das private, infrage stellen lassen.

Erbauliche Selbstfindungsdramen dieser Art haben sich inzwischen derart verselbstständigt, dass sie filmischen Mikrowellengerichten ähneln: Man weiß, was man bekommt und sucht sie sich gerade deshalb aus. In diesem Fall, dem Langfilm-Regiedebüt des Duos Lauriane Escaffre und Yvo Muller, spielt immerhin Karin Viard („Verstehen Sie die Beliers?“) die Hauptrolle. Die ebenso scheue wie ungeschickte Maria ist ein ungewöhnlicher Part für sie, und wie sie sich vom gemütlichen Hausmeister Hubert (Grégory Gadebois aus „Angèle und Tony“) bezirzen lässt, ist durchaus sehenswert.

Gegen die vielen Klischees, die „Maria träumt“ ansonsten aneinanderreiht, kann Viard allerdings kaum anspielen – vom schenkelklopfenden Gewitzel über zeitgenössische Kunst, die hier natürlich sofort („kann das weg?“) von Maria entsorgt wird, über die im Kuratorenjargon schwätzenden Kunstprofessoren bis zu Marias problembeladenem Privatleben samt nachlässigem Ehemann ist für das Stereotype-Bingo alles dabei.

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