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„Willkommen in der Nachbarschaft“: Komische Kulturschocks

Werbefuzzis in der Vorstadt

Pariser Werbeagentur muss wegen Steuerschulden ins Problemviertel, wo sich komische Kulturschocks ergeben. Flotte Sozialkomödie mit Gilles Lellouche als Chef

Von Hans Gerhold

Fred Bartel (Gilles Lellouche, r.) macht sich mit der neuen Nachbarschaft vertraut. Foto: Quad Films

Neben Oscar-Preisträger Jean Dujardin („The Artist“) ist Gilles Lellouche der zurzeit beste und vielseitigste französische Mime, der sich mit rasanten Krimis („Mea Culpa“) einen Namen machte, in der Tragikomödie „Kleine wahre Lügen“ an der Balus­trade eines Bistrots zur Herzdame ins Zimmer kletterte und sich als Drogenboss mit Dujardin als Untersuchungsrichter im Thriller „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ eines der atemberaubendsten Schauspielerduelle der letzten zehn Jahre lieferte. Komisch kann er aber auch.

In „Jusqu’ici tout va bien“ (Soweit alles gut), der bei uns als „Willkommen in der Nachbarschaft“ verbraten wird, ist Lellouche als Fred Bartel charismatischer Chef der Werbeagentur Happy Few, der von der Steuerbehörde wegen Millionenschulden in die Zange genommen wird. Seine Idee jedoch, die Agentur ins Problemviertel La Courneuve zu verlegen, um finanzielle Zuschüsse zu ergattern, während das eigentliche Team weiter im Zentrum von Paris arbeitet, scheitert. So ist Happy Few gezwungen, über Nacht nach La Courneuve zu ziehen und 30 Prozent Angestellte von dort zu rekrutieren, die im Büro klauen wie die Raben.

Den Kulturschock zwischen den verwöhnten Werbefuzzis in der „unbekannten Welt“ der Vorstädte hat Regisseur Mohamed Hamidi („Unterwegs mit Jacqueline“, der mit der Kuh) als flotte Sozialkomödie an der Grenze zur Satire angelegt, nicht ohne wie in Jérome Enricos ungleich bissigerer „Paulette“ das Ganze als Feel-Good-Komödie enden zu lassen.

Die besten Szenen ergeben sich durch die Kids aus dem Viertel, die regelmäßig Stromkabel und Autoteile an die Snobs verhökern, damit es überhaupt weitergeht. Um die Regeln in La Courneuve überhaupt zu begreifen, ist für die galligen Gallier der junge Samy (Malik Bentala) zuständig. Da kommt selbst Bartels rechte Hand Leila (Sabrina Quazani) aus dem Staunen nicht heraus. Für Gilles Lellouche ein temporeiches, komisches Zwischenspiel, das er mühelos gut gelaunt über die Runden bringt.

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