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„Dune”: Monumentale Neuverfilmung des Sci-Fi-Kultklassikers

Würmer in der Wüste

Über ein Jahr länger als geplant mussten Fans pandemiebedingt auf diese Neuverfilmung von Frank Herberts kultisch verehrtem Sci-Fi-Klassiker warten. Jetzt ist der Film von Bildermagier Denis Villeneuve da – und dürfte Fans weitgehend zufriedenstellen. Viele Stars, tolle Bilder, spektakuläre Tricks: Ein neues Franchise könnte geboren sein.

Von Gian-Philip Andreas

Nur ein Teil der Starbesetzung: (v. l.) Rebecca Ferguson als Lady Jessica Atreides, Zendaya als Chani, Javier Bardem als Stilgar und Timothée Chalamet als Paul Atreides Foto: Chia Bella James/Warner Bros/dpa

Neben dem neuen Bond ist das hier der Blockbuster der Saison: „Dune“, Frank Herberts Sci-Fi-Epos von 1965, endlich neu verfilmt, und das mit Starbesetzung von Oscar Isaac über Josh Brolin bis Stellan Skarsgård, von Javier Bardem bis Charlotte Rampling, inszeniert von Denis Villeneuve, der spätestens seit „Blade Runner 2049“ der Spezialist ist für visuell bombastische Hochglanz-Sci-Fi mit existenzphilosophischen Beigaben in leicht verdaulicher Dosis.

Tatsächlich hält die Neuversion nun tatsächlich, was sie verspricht: Bilder zum An-die-Wand-Hängen-und-Einrahmen, staunenswerte Spezialeffekte, elegant gewandete Stars und formidabel inszenierte Schlachtenszenen. Der Film endet mit einem Cliffhanger: Eine Fortsetzung ist eingeplant und nötig, denn der Film deckt nur die erste Buchhälfte ab, anders als David Lynchs umstrittene Version von 1984.

Der Plot, Fans werden’s wissen, erinnert nicht nur in vielen Details an die später erdachten „Star Wars“ und spielt auf dem von Riesensandwürmern heimgesuchten Wüstenplaneten Arrakis, wo der wertvolle Rohstoff „Spice“ abgebaut wird – von einem bösen Imperium, dem sich die indigenen Ureinwohner, die Fremen, entgegenstellen. Dem edlen Haus der Atreiden, deren Name nicht von ungefähr an die Atriden der griechischen Mythologie erinnert, wird die Lehnsherrschaft über Arrakis angedient, eine Intrige, die in einer Tragödie endet. Atreiden-Spross Paul wird bald als Heiland verehrt und zweifelt an dieser Rolle – Darsteller Timothée Chalamet („Call Me By Your Name“) kann genauso toll statuenhaft in die Wüstenweite starren wie Rebecca Ferguson („Mission: Impossible“), die seine Nonnen-Mutter spielt, und die wunderbare Zendaya („Malcolm & Marie“) als Fremen-Mädchen Chani.

Themen wie Kolonialismus, Ausbeutung und Umweltzerstörung sind im Roman angelegt, in Villeneuves relativ werkgetreuer Umsetzung stehen sie noch klarer im Zentrum. Dröhnmeister Hans Zimmer fährt auf der Tonspur bewährt polterndes Schlagwerk auf, wie das Sounddesign überhaupt exzellent ist und sich mit den Wüstenpanoramen und Villeneuves typischem Chiaroscuro aus schwärzesten Schatten und gleißenden Lichttupfern zu einem eindrucksvollen audiovisuellen Erlebnis verbindet. Am Ende wird arg weihevoll auf die Pathos-Tube gedrückt, doch davon mal abgesehen: Für Filme wie diesen gibt’s Kino. Sehenswert.

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