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Krimisatire

«Breaking News in Yuba County» mit starker Allison Janney

Los Angeles (dpa)

Mit weiblicher Starbesetzung und schwarzem Humor zieht die Satire «Breaking News in Yuba County» über die Medienbesessenheit in der amerikanischen Provinz her.

Von Barbara Munker, dpa

Allison Janney (l) als Sue und Juliette Lewis als Gloria Michaels in einer Szene des Films "Breaking News In Yuba County" (undatierte Filmszene). Foto: -/Constantin Film /dpa

Sue Buttons ist nicht zu beneiden. Die von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Ehefrau wird ständig übersehen. Es ist ihr Geburtstag, doch die Torte muss sie sich im Vorstadt-Supermarkt im kalifornischen Yuba County selbst besorgen.

«Ich bin stark, ich bin es wert», murmelt sie beim Einkaufen vor sich hin. Positive Affirmationen sind ihre Mantra, das hat Sue von den täglichen Selbsthilfe-Talkshows gelernt.

Alle haben ihren Geburtstag vergessen: ihre Halbschwester Nancy (Mila Kunis), eine hektische TV-Reporterin, die Kollegen im Call-Center, natürlich auch ihr Ehemann Karl (Matthew Modine), ein Banker, den sie noch dazu in flagranti in einem Motel beim Sex mit einer üppigen Blondine erwischt.

Der Tag endet schlecht, zumindest für Karl, der ein Millionen-Geheimnis in das von Sue (Allison Janney) heimlich geschaufelte Grab mitnimmt. Doch die gefrustete Ehefrau wittert ihre Chance, endlich Beachtung zu finden. Sie meldet den Gatten bei der Polizei als vermisst und zieht mit dieser Story vor die Fernsehkameras. Sue schafft es in die reißerische Sendung von Talkshow-Star Gloria Michaels (Juliette Lewis) und damit mitten ins Rampenlicht.

Janney ist es zu verdanken, dass «Breaking News in Yuba County» als schwarzhumorige Krimikomödie nicht an Witz verliert. Als plötzliche TV-Celebrity kommt Sue herrlich in Fahrt. Die 61-jährige Schauspielerin ist die perfekte Verwandlungskünstlerin, wie schon in der Eislauf-Satire «I, Tonya» (2018), in der sie die grotesk ehrgeizige und unverstandene Mutter der Eiskunstläuferin Tonya Harding spielte und damit den Oscar als beste Nebendarstellerin gewann.

Regisseur Tate Taylor («The Help», «Girl on the Train») motzt die bitterböse Mediensatire allerdings mit reichlich Action und Blutvergießen auf. Rapperin Awkwafina («The Farewell») schlägt als sadistische Gangsterin zu, Jimmy Simpson mischt als Karls krimineller Bruder mit. Auch ein lesbisches Paar (Wanda Sykes und Ellen Barkin) muss am Ende dran glauben. Im Tarantino-Stil - mit Beilen, Kugeln, Messern und einer Kreissäge - werden Figuren abgemurkst, während eine Detektivin (Regina Hall) dem verschwundenen Karl auf der Spur ist.  

Kultklassiker wie «Fargo» oder «To Die For» haben das Genre der bitterbösen, morbiden Tragikomödie, in der amerikanischen Provinz angesiedelt, perfektioniert. In «Fargo», unter der Regie der Coen-Brüder, ging es um eine entführte Ehefrau und völlig verpfuschte Verbrechen mit düster-profunder Gesellschaftskritik. Gus Van Sant erzählte in «To Die For» die Geschichte einer Kleinstadt-Schönheit, die über Leichen geht, um im Rampenlicht zu stehen.

An diese Meisterwerke kommt «Breaking News in Yuba County» trotz weiblicher Star-Besetzung allerdings nicht heran. Regisseur Taylor übertreibt es mit zu vielen dummen Plots und Hype, statt sich auf die großartige Sue Buttons mit ihren «Ich bin Stark»-Sprüchen zu verlassen.

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