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Gedanken über den Stil von 007

Makellose Männer mit Maßanzügen

Münster

James Bond ist und war auch immer eine Mode-Figur. Es ging um Stil, Anzüge, Drinks, Uhren und Autos.

Von Hans Gerhold

Wie aus dem Ei gepellt: Pierce Brosnan in „Die Welt ist nicht genug“, 2008. Foto: United International Pictures

Im Moment sieht es aus, als wäre trotz des Titels „Keine Zeit zu sterben“ die erfolgreichste Kinoserie der Welt erschöpft. Warum? Gewiss liegt es nicht an 007, der 1962 als Superspion, Spieler und smarter Gentleman in Maßanzügen und mit Traditionsbewusstsein die Szene betrat und sie nicht nur durch Beherrschung technischer Tricks bezwang, sondern immer mit Stil vorging.

Bonds Lifestyle, auch hervorgegangen aus der Welt des Männer-Magazins „Playboy“ und der Konsum- und Überflussgesellschaft, fand mit schnellen Autos, schönen Frauen, perfekt gemixten Drinks („geschüttelt, nicht gerührt“) und Haute Cuisine statt. Der Mann kannte seine edlen Champagner von Bollinger bis Dom Pérignon, genoss sie neben rassigen Frauen in Luxusbetten und schwimmenden Rettungskapseln. Reiswein ging auch. Aber: Rotwein zum Fisch? Undenkbar!

Klar, dass er makellose Klamotten trug, von der zeitlosen Garderobe Sean Connerys und den gediegenen Outfits von Roger Moore bis zur stilvollen Kleidung von Pierce Brosnan, der sich noch als Panzerfahrer die Krawatte zurechtzupfte. Bei Daniel Craig sieht es oft aus, als würden Maßanzüge über den Muskeln platzen. Härte und Brutalität eines Schlägers gehen nicht wirklich mit Stil einher.

Womit das Problem benannt ist. Bond lebt heute in der Welt der Marvel-Helden, die alles können, der Smartphone-Besitzer, die alles zu können glauben, der global Reisenden, die alle Hotels aus 007-Filmen besucht haben. Wozu braucht es da einen stilvollen Weltretter?

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