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Spannende Geschichtsstunde

Kurt Georg Kiesinger – Der vergessene Kanzler (ARD)

Er war der Bundeskanzler mit der bis heute größten Popularität in der Bevölkerung – und der mit der kürzesten Amtszeit (1966-1969). Ingo Helm näherte sich dem dritten Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik, Kurt Georg Kiesinger, in einem informativen Porträt, das auf alten Aufnahmen sowie Erinnerungen der beiden Kiesinger-Kinder und einstiger Weggefährten basierte. Deutlich arbeitete Helm die beiden widerstreitenden Seiten Kiesingers heraus: einerseits der stets ausgleichende Politiker, „König Silberzunge“ genannt, andererseits der Mann mit der diffusen NSDAP-Vergangenheit, die stets Druckmittel seiner Kritiker blieb. Gut auch: das im Beitrag transportierte Stimmungsbild der Bonner Republik mit SPD-Mann Willy Brandt als schärfstem Gegner, mit dem CDU-Mann Kiesinger dennoch eine Freundschaft verband. Dass Brandt als Kanzler später die Ostpolitik betrieb, die er gern betrieben hätte, hat Kiesinger geschmerzt. Dass er, die Vaterfigur, zur Zeit der Studentenrevolte zum Feindbild wurde, dem man den notwendigen Anschub für eine modernere Gesellschaft nicht zutraute, hat ihn schließlich politisch den Kopf gekostet. Eine spannende Geschichtsstunde – nur zu spät gesendet. Petra Noppeney

wn

Er war der Bundeskanzler mit der bis heute größten Popularität in der Bevölkerung – und der mit der kürzesten Amtszeit (1966-1969). Ingo Helm näherte sich dem dritten Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik, Kurt Georg Kiesinger, in einem informativen Porträt, das auf alten Aufnahmen sowie Erinnerungen der beiden Kiesinger-Kinder und einstiger Weggefährten basierte. Deutlich arbeitete Helm die beiden widerstreitenden Seiten Kiesingers heraus: einerseits der stets ausgleichende Politiker, „König Silberzunge“ genannt, andererseits der Mann mit der diffusen NSDAP-Vergangenheit, die stets Druckmittel seiner Kritiker blieb. Gut auch: das im Beitrag transportierte Stimmungsbild der Bonner Republik mit SPD-Mann Willy Brandt als schärfstem Gegner, mit dem CDU-Mann Kiesinger dennoch eine Freundschaft verband. Dass Brandt als Kanzler später die Ostpolitik betrieb, die er gern betrieben hätte, hat Kiesinger geschmerzt. Dass er, die Vaterfigur, zur Zeit der Studentenrevolte zum Feindbild wurde, dem man den notwendigen Anschub für eine modernere Gesellschaft nicht zutraute, hat ihn schließlich politisch den Kopf gekostet. Eine spannende Geschichtsstunde – nur zu spät gesendet. Petra Noppeney

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