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Christoph Biller ist mit 66 Jahren gestorben

Leidenschaftlicher Thomaskantor

Münster/Leipzig

13 Jahre lang, von 1992 bis 2015, leitete Christoph Biller den Leipziger Thomanerchor. Krankheitsbedingt musste der 16. Thomaskantor nach Johann Sebastien Bach früher als geplant aus dem Amt scheiden. Nun ist Biller im Alter von 66 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Von Johannes Loy

Christoph Biller war von 1992 bis 2015 als 16. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach im Amt. Foto: dpa

Als der Film über „Die Thomaner“ 2012 in die Kinos kam, befand sich der damalige Thomaskantor Thomas Biller auf dem Höhepunkt seines musikalischen und chorpädagogischen Schaffens. Die Dokumentation über die jungen Sänger, ihre Eltern und Lehrer, die teils melancholische Melange aus Internatsleben, Spitzenmusik, Heimweh und Fernreisen faszinierte. Über allem und allen agierte souverän der Thomaskantor zwischen pädagogischem Eifer und musikalischem Spitzenanspruch. Nun ist Christoph Biller nach langer schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren gestorben.

Bereits 2015 hatte er sein Amt gesundheitsbedingt abgeben müssen, nach einer Interimsphase mit Gotthold Schwarz an der Spitze übernahm im Herbst 2021 der Schweizer Andreas Reize das traditionsreiche Amt des Thomaskantors.

Am späten Donnerstagabend wurde nun die Nachricht vom frühen Tode Billers unter Berufung auf seine Familie bekannt. Der Chor und die Familie stünden „in tief empfundener Verbundenheit und stiller Trauer“ um Biller, hieß es.

Biller sei „ein energischer, kraftvoller Künstler“ gewesen, der „den Chor mit großer Persönlichkeit und Leidenschaft geleitet hat“, zitierte die „Leipziger Volkszeitung“ eine Reaktion des Thomanerchores. Billers Tod sei ein großer Verlust für die Musikstadt Leipzig und die Bachfamilie in aller Welt.

Christoph Biller, der Anfang der 90er Jahre auch an der Musikhochschule in Detmold Chordirigieren lehrte, war zum 1. August 1992 als 16. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach (1685-1750) in das Amt berufen worden. Am 20. September 1955 in Nebra (Unstrut) geboren, war er von 1965 bis 1974 selbst Thomaner, ehe er Orchesterdirigieren sowie Gesang studierte. Im Jahre 1980 wurde er Chordirektor des Leipziger Gewandhauses. Für sein Schaffen erhielt er zahlreiche Preise.

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