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Film der Woche

„Bullet Train”: Mörder im Tokio-Express

Münster

Man stopfe einen Hochgeschwindigkeitszug mit mehreren Auftragsmördern voll, die voneinander nicht wissen, und setze ihn dann in Bewegung. Das ist das Prinzip dieser Actionkomödie, in der sich Brad Pitt von Abteil zu Abteil prügeln muss.

Von Gian-Philip Andreas

Es sollte ein letzter, unkomplizierter Auftrag sein, jetzt steckt er mittendrin im großen Killer-Schlamassel: Brad Pitt als Killer „Ladybug“ an Bord des Hochgeschwindigkeitszugs „Shinkansen“ von Tokio nach Kyoto. Foto: Scott Garfield/Sony Pictures/dpa

Je mehr Brad Pitt auf die 60 zugeht (nächstes Jahr ist es so weit), desto mehr macht er sich ein Späßchen vor der Kamera. Seit seinem Oscar für „Once Upon a Time in Hollywood“ ist er vor allem als Produzent von Qualitätsfilmen wie „Minari“ unterwegs, und wenn er doch mal selbst spielt, dann zerdeppert er lustvoll das eigene Image mit Auftritten wie zuletzt als kampflustiger Meditationstrainer in „The Lost City“.

Auch jetzt in „Bullet Train“ nimmt er sich dankenswerterweise nicht allzu ernst. Als therapiebedürftiger Killer „Ladybug“ (= Marienkäfer) soll er in dieser Actionkomödie einen mysteriösen Koffer auftreiben – ausgerechnet in einem Shinkansen, einem japanischen Hochgeschwindigkeitszug, auf der Strecke von Tokio nach Kyoto, in dem sich unglücklicherweise noch diverse andere Auftragsmörder aus aller Welt aufhalten, die sich alsbald in die Quere kommen.

Solide unterhaltsam

Wie Pitt sich dabei in absurde Nahkämpfe auf engstem Raum verwickeln lässt, vor einer Giftschlange flieht und einem perfiden Plan auf die Spur kommt, ist das Lustigste an diesem Film, der leider oft so wirkt, als hätten die Macher um Regisseur David Leitch („Deadpool 2“) nicht nur mehrere mittelmäßig begabte Clowns, sondern auch noch diverse Guy-Ritchie- und Tarantino-Epi­gonen gefrühstückt. Ständig wird mit popkulturellen Zitaten herumgewitzelt und inszenatorisch auf blutigen Tatsachen herumgeritten – als wäre es eine Filmproduktion aus den frühen Nullerjahren.

Basierend auf einem Roman von Kotaro Isaka lebt der Film vor allem von seinem skurrilen Personal: Zwei einander überhaupt nicht ähnliche Killerzwillinge, ein trügerisches Schulmädchen (gut: Joey King), japanische Assassinen und Michael Shannon („Shape of Water“) als Gangsterboss sind nur einige im internationalen Cast, zu dem auch Sandra Bullock als „Ladybugs“ dubiose Auftraggeberin zählt.

Das Problem: Der Film interessiert sich kaum für diese Figuren, die bloße Abziehbilder bleiben in diesem unnötig umständlich erzählten Killer-Klamauk, der Elemente von „Speed“, „Snowpiercer“ und „Source Code“ recycelt, ohne dass dabei etwas vergleichbar Einzigartiges herauskäme. „Bullet Train“ ist dennoch solide unterhaltsam, doch das gilt ja für viele dieser neuen Actionfilme, die sich damit zufriedengeben, ein kulissenhafter Nachbau ungleich besserer Vorgänger zu sein.

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