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Tourauftakt

BAP feiert in Münster ein Fest unter Freunden

Münster

Aufwärmphase? Alte Freunde brauchen beim Wiedersehen keine Aufwärmphase. Kaum ist der letzte Schlag des „Dicken Pitter“ verklungen, sind die Bilder von Dom und Seve­rinstor verschwunden, da „jeht et aff“ – und das gewaltig. Am Mittwoch war BAP in Münster.

Martin Ellerich

Entspannter Auftritt vor langjährigen Freunden: Wolfgang Niedecken ist mit seinen Fans vom zornigen jungen Mann zum gelassenen Herrn gereift – und das in Würde. Foto: Gunnar A. Pier

"Aff" ging es direkt - dabei ist „Frau, ich freu mich“ zwar bekannt, aber keiner der ganz großen Hits der Musiker aus dem „Millionedorf am Rhing“. Seit vier Jahrzehnten existiert die Band da auf der Bühne. Der Frontmann hat gerade das Rentenalter erreicht, einige der Fans stehen kurz davor. Aber „Sitzrock“ ist es keineswegs, was BAP in der Halle Münsterland bietet – im Gegenteil.

Nach dem fünften, sechsten Lied wird Protest laut: an der Bestuhlung. „Dann steht doch op! Dat könnt Ihr doch unter Euch ausmache. Ihr seid doch erwachsen“, ruft Wolfgang Niedecken. Er selbst halte drei Stunden Konzert ohne Stuhl aber nicht mehr aus. „Ich hab Rücken.“

In Würde zum gesetzten Herrn gereift

Entspannt wie unter alten Freunden ist die Stimmung bei diesem furiosen Auftakt der Tour „Lebenslänglich“. Da steht einer auf der Bühne, der sich nichts mehr beweisen muss. Und der überdies bewiesen hat, wie man in Würde vom „zornigen jungen Mann“ zum gesetzten Herrn wird, der durchaus dankbar auf 40 Jahre und „all die Augenblicke“, die ihm keiner mehr nimmt, zurückblickt. „Dä Herrjott meint et joot met mir“, singt Niedecken. Das sei anders als einst das Lied „Wenn et bedde sich lohne däät“ ganz und gar „nicht ironisch gemeint“. Und nicht wenige im Publikum haben offensichtlich einen großen Teil der vier Jahrzehnte langen Reise mitgemacht, mitgefühlt und ähnliches erlebt.

Als sich Niedecken dann tatsächlich den Stuhl auf die Bühne bringen lässt, gehört das zu den großen Momenten des Abends: vier Liebeslieder, auch über das Scheitern. Ein grandioses „Jraaduss“. Ein großartiges „Alles em Lot“, dessen neues Arrangement mit Cello (Anne de Wolff) und Kontrabass (Werner Kopal) noch einmal musikalisch den Zweispalt unterstreicht, wenn „et kohm, wie’t kumme moht“ vor lauter „Alles em Lot.“

Was machen die anderen ex-BAP-Mitglieder?

Jürgen Zöller saß 30 Jahre lang bei BAP am Schlagzeug. Jetzt hat er ein eigenes Album produziert, das er im März in Münster vorstellte. Am 29. September 2016 spielt er im Jovel.

Klaus "Major" Heuser war quasi zweiter Mann bei BAP - als langjähriger Gitarrist. Mit seiner eigenen Band spielt er am Freitag (20. Mai 2016) im Jovel.

Helmut Krumminga stand noch bis 2014 neben Niedecken auf der Bühne - auch beim Konzert im Jovel. Heute zupft er die Gitarre unter anderem für Inga Rumpf.

Der Band ist der Spaß anzumerken

Alte Songs, neue Nummern – den sieben da vorne auf der Bühne ist ihr Spaß anzumerken. Was sollte es auch ausmachen, dass Schlagzeuger Sönke Reich jünger ist als „Verdamp lang her“ und den „Rallye-Streifen-Opel GT“ aus dem Lied „Ne schöne Jrooß“ wohl nur noch mit H-Kennzeichen kennt? Mehr als drei Stunden lang wird gerockt. Das Publikum in Münster singt trotz kölscher Sprache textsicher mit – zumindest bei den älteren Titeln. Und spätestens beim „34 Jahre alten und leider brandaktuellen“ Klassiker „Kristallnaach“ sitzt auch auf den Rängen niemand mehr.

Tour-Termine 2016

Die "Lebenslänglich"-Tour geht bis Jahresende. Alle Termine: hier.

„Danke Münster, bess demnähx“ ruft Niedecken zum Abschied. „Es war uns ein Fest!“ Uns auch, lieber Wolfgang Niedecken, uns war es auch ein Fest.

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