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Neues Album

Bosse über Kreativität: «tut manchmal höllisch weh»

Hannover (dpa)

Weil Konzerte ausfielen, hatte Bosse in der Pandemie besonders viel Zeit für die Arbeit an seiner neue Platte. Das Songschreiben ist ihm aber wohl nicht immer leicht gefallen.

Von Christina Sticht, dpa

Der Sänger Bosse zeigt sich in einem Sonnenblumenfeld. Foto: Marco Sensche/Universal Music/dpa

Beim achten Studio-Album und 25 Jahren Musik-Karriere sollte sich so etwas wie Routine einstellen. Doch Bosse tüftelte an seinem neuen Werk «Sunnyside» monatelang im Studio im Keller seines Hauses in Hamburg - teils quälte er sich auch.

«Ich muss sehr viel grübeln», sagt der 41-Jährige. «Schreiben (...) tut manchmal höllisch weh. Wenn dann ein Song fertig ist, tut es aber auch besonders gut. Für alles, was ich mache, halte ich den Kopf aus dem Fenster.» Da müssten die Texte im besten Fall berühren, schlau und tief sein.

Das Ringen um die treffendste Zeile, das stimmigste Bild und die Melodie, die im Ohr bleibt, ist den 14 neuen Songs anzumerken. Axel Bosse - von den Fans liebevoll Aki genannt - gelingt es, besondere Momente einzufangen. Wieder ist viel Melancholie dabei. Es geht um Partnerschaft, Liebe und die gemeinsame Suche nach Glück.

Die von Bläsern angetriebene Abschieds-Hymne «Der letzte Tanz» ruft dazu auf, den Augenblick auszukosten. Verantwortlich dafür, dass Bosse diese Nummer als erste veröffentlichte, war seine 15-jährige Tochter. «Sie hatte eine Woche davon einen Ohrwurm und meinte dann: "Ist'n Hit, kannst du machen"», erzählt der Sänger, der während der Pandemie so viel Zeit zu Hause verbrachte wie in den letzten zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Eine Reihe von Liebesliedern finden sich auf «Sunnyside» - zum Beispiel «24-7» oder «Hinter dem Mond». Vieles ist tanzbar. Neben Gitarren und Basslines finden sich Synthesizer und Drumloops - der Sound entspricht aktuell im Radio gespielten Popsongs. «Liebst du mich auch in meiner Nebensaison?» singt Bosse und verbindet Mallorcas verlassenen Ballermann samt Müll und leeren Stränden mit Lebensphasen, in denen bei ihm selbst nichts los ist. «Auf dem Album geht es hier und da wieder mehr um Innen, um mich, um Kraftlosigkeit und Depression», erzählt der gebürtige Braunschweiger.

Die beiden Vorgänger «Alles ist jetzt» (2018) und «Engtanz» (2016) landeten auf Platz eins der Albumcharts. Spürt er deshalb jetzt einen besonderen Druck? «Für die Charts bin ich nicht angetreten», sagt Bosse. «Ich habe eine extrem hohe Erwartungshaltung an mich selbst und keinen Bock, Scheiße abzuliefern.» Das Songschreiben sei für ihn wie das Einkochen von Soße. «Am Ende hat man eine Essenz. Die ist dann so schlau und so treffend, wie es geht. Und möglichst noch berührend und eben nicht stumpf», sagt der Hobby-Koch.

Immer wieder bezieht der Musiker Position - zum Beispiel gegen Rechtsextremismus. Die beiden politischen Nummern auf dem Album seien ihm sehr wichtig, sagt er. «Für "Das Paradies" habe ich Leute eingeladen, die nicht nur reden, sondern auch machen.» Aus dem utopischen Song über eine Welt ohne Sexismus, Rassismus, Armut und Ungerechtigkeit entstand das «Projekt Paradies», das soziale Projekte unterstützt, darunter eine Suppenküche in Hamburg. «Gerade in dieser krassen Zeit sehe ich es als meine Pflicht an, mich politisch zu äußern», betont Bosse. «Gemeinsam mit den Fans kann ich Dinge anschieben, die die Gesellschaft auf eine Art besser machen.» J

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