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Big Mess

Corona-Soloalbum von Hollywood-Komponist Danny Elfman

Los Angeles (dpa)

Berühmt ist Danny Elfman für über 100 Filmkompositionen, von «Batman» bis «Fifty Shades of Grey». Mit «Big Mess» bringt er erst sein zweites Soloalbum heraus.

Von Barbara Munker, dpa

Auf Danny Elfmans zweitem Album dominieren Chaos und Verzweiflung. Foto: Jacob Boll/anti-records/dpa

An der Zahl seiner Soloalben lässt sich der enorme Erfolg von Danny Elfman nicht festmachen.

In der langen Musikkarriere des kalifornischen Sängers, Songwriters, Filmkomponisten und früheren Frontmanns der Rockband Oingo Boingo gab es bisher erst eines - sein Debütalbum «So-Lo» aus dem Jahr 1984. Gleich danach nahm ihn Hollywood für Jahrzehnte in Beschlag.

Elfman komponierte die Musik für Superhelden wie Batman, Spiderman und Hellboy. Er untermalte Blockbuster wie «Planet der Affen», «Mission: Impossible», «Edward mit den Scherenhänden» und «Fifty Shades of Grey». Viermal wurde er für den Oscar nominiert - für die beste Filmmusik von «Good Will Hunting», «Men in Black», «Big Fish» und «Milk». Regisseure wie Tim Burton, Sam Raimi und Gus Van Sant setzten ganz auf Elfman.

Nun kehrt Hollywoods Starkomponist, inzwischen 68 Jahre alt, zu seinen Wurzeln zurück. Seit «So-Lo» sind 37 Jahre vergangen. Für seinen zweiten Streich «Big Mess» (auf Deutsch «großes Durcheinander») macht Elfman die Corona-Pandemie verantwortlich. «'Big Mess' wäre ohne Quarantäne einfach nicht passiert», erzählt der Komponist. Der Lockdown habe ihm ziemlich zugesetzt.

Eigentlich sollte er im Frühjahr 2020 beim legendären Coachella-Festival in Kalifornien auftreten, doch das Event wurde wegen Corona abgesagt. Diese Energie habe er dann in neue Songs gesteckt. Sie seien buchstäblich aus ihm herausgeplatzt, erklärt der Grammy-Preisträger. «Das war wirklich wie das Öffnen einer Büchse der Pandora, von der ich dachte, sie sei fest verschlossen. Aber offensichtlich nicht.»

«Big Mess» ist die treffende Überschrift für die 18 Tracks des Doppelalbums. Songs wie «Happy» oder «Everybody Loves You» sind nicht etwa sanfte Liebesballaden oder heiteres Kontrastprogramm zur Pandemie. «Devil Take Away» oder «Cruel Compensation» bringen es schon im Titel auf den Punkt: In Elfmans komplexer Welt von aggressivem Rock, mit verzerrten E-Gitarren, Synthesizern und orchestralen Streichern, herrschen Chaos und Verzweiflung.

«Ich wusste von Anfang an, dass dies keine saubere, einfach zu kategorisierende Platte werden würde», sagt Elfman. «Es war immer dazu bestimmt, diese verrückte Kakophonie zu sein, denn das ist es, was ich bin. 'The Big Mess' ist ich.»

Mit «Insects» greift Elfman einen früheren Oingo-Boingo-Song von 1982 auf, den er politisch aufmöbelt - «mitten im dystopischen Albtraum» der Trump-Ära. Als heutige Blutsauger besingt er «alte, weiße Männer, die unsere Gehirne aussaugen». Dazu ein surreales, flirrendes 3D-Musikvideo mit zuckenden Kreaturen. Im Vorspann wird gewarnt, dass dies bei manchen Betrachtern epileptische Anfälle auslösen könnte.

Zu dem düsteren Song «True» über Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung liefert die Multimedia-Künstlerin Sarah Sitkin ein verstörendes Video. «Danny ist eine zentrale Figur im Video, allerdings nur in seinem durch Prothesen, Masken und 3D-gedruckte Körperteile reproduzierten Ebenbild. Ich wollte ein Video machen, das düster, ungeschliffen und ungemütlich ist», erklärt Sitkin.

Unterstützung erhielt Elfman von Schlagzeuger Josh Freese (Devo, The Vandals), Bassist Stu Brooks (Dub Trio, Lady Gaga) und den Gitarristen Robin Finck (Nine Inch Nails, Guns N' Roses) und Nili Brosh (Tony MacAlpine, Paul Gilbert).

Nach «Big Mess» will Elfman wieder zur Filmmusik zurückkehren. Er hat bereits zwei Projekte, den Science-Fiction-Thriller «65» mit Adam Driver und «Doctor Strange in the Multiverse of Madness» unter der Regie von Sam Raimi.

Mit Los Angeles ist der Musiker auch privat eng verbunden: Seit 2003 ist er mit der Schauspielerin Bridget Fonda («Jackie Brown») verheiratet - ihr Vater war Peter Fonda und ihr Großvater Henry Fonda, also zwei Hollywood-Legenden.

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