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Antilopen-Gang-Sänger

Danger Dan zeigt auch solo klare Kante gegen Rechts

Als Mitglied der Rap-Gruppe Antilopen Gang nahm Danger Dan noch nie ein Blatt vor den Mund. Nun liefert er ein Solo-Album - und setzt politische Ausrufezeichen.

dpa

«Getroffene Hunde bellen nun mal»: Musiker Danger Dan nimmt Gegenwind von rechter Seite gelassen. Foto: Jaro Suffner

Berlin/Aachen (dpa) - Die Flasche Sekt aus seinem Anti-Rechts-Song «Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt» habe er einfach getrunken, sagt der Musiker Danger Dan (37) der dpa. «Weil ich Durst hatte. Aber anlasslos».

Was er damit meint: Bislang ist bei ihm kein Brief von Anwaltskanzleien oder den im Song angesprochenen Leuten angekommen. Seit der Veröffentlichung Ende März sorgt das Lied für Furore.

Über eine Klavier-Melodie singt der Aachener: «Zeigt mich an, und ich öffne einen Sekt, das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt.» Und teilt davor und danach gegen die Sicherheitsbehörden und Vertreter des rechten politischen Spektrums aus. Am Ende des Liedes heißt es: «Wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst, ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt, Militanz.»

Es habe in der Folge ein leichtes Rumoren von rechter Seite im Internet gegeben, sagt der 37-Jährige, der auch Mitglied der Rap-Gruppe Antilopen Gang ist. «Getroffene Hunde bellen nun mal».

«Aber das wird total überschattet von ganz viel positiver Resonanz.» Viele Menschen hätten ihm geschrieben, wie sehr sie der Song gerührt habe. «Ich habe das Gefühl, dass da viele Leute ganz schön viel Wut in sich haben, und mit dem Lied eine Kanalisierung gefunden haben», sagt der Rapper, der mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz heißt.

Eine klare Kante gegen Rechts ist dem Musiker schon lange wichtig. Für seine eigene politische Willensbildung seien die rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 zentral gewesen. Damals habe die Polizei mehr oder weniger tagelang zugeschaut, sagt der Musiker. «Seit ich mich politisch engagiere, ist das bittere Realität.»

Aber der Wahl-Berliner sagt auch: Strukturelle Probleme in Sicherheitsbehörden oder ein Rechtsruck in der Gesellschaft ließen sich nicht durch Militanz lösen. Doch wenn beispielsweise ein wütender Mob vor einem Haus stehe, «dann wird man Nazis eben nicht mit Lichterketten davon abhalten, das zu tun, was Nazis eben tun: Nämlich Gewalt ausüben, Angst einflößen und im Zweifel auch Leute umbringen».

Politisch und textlich hat auch die Antilopen Gang selten ein Blatt vor den Mund genommen («Beate Zschäpe hört U2»). Für die nun gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit hat Danger Dan einen Erklärungsansatz: «Ich glaube, dass man Leuten, die auf Theater-Bühnen spielen, nach wie vor anders zuhört als Rappern.»

Doch auf dem Album «Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt», das am 30. April erscheint, sind nicht nur explizit politische Lieder. Im Stile eines Liedermachers singt Danger Dan über Lebensentscheidungen, Selbstzweifel, den Zeitgeist, die Liebe und seine Probleme in der Schulzeit - begleitet von Klavier, Streichern und Chören.

Als Sechsjähriger habe er angefangen, Klavier zu spielen, sagt der 37-Jährige. Die Idee für so ein Album geisterte schon lange durch seinen Kopf. In der Corona-Pandemie habe er nun die Zeit gefunden.

Bitterböse rechnet er etwa mit einer Schule in Aachen ab, die sich inzwischen mit ihm als ehemaligem Schüler schmücke. «Dass ich dort Schüler war, ist etwas übertrieben. Ich hätte mich mehr als Geschädigten beschrieben», singt Danger Dan in «Ingloria Victoria». Direkt als er an der Schule ankam, habe ihn der Rektor damals in sein Büro zitiert und mit ihm über seine Schülerakte gesprochen. «Und da hat er gesagt, wenn er die Akte früher bekommen hätte, dann hätte er mich nicht genommen.» Spätestens seit diesem Moment habe er sich seine Erfolgserlebnisse nicht mehr über Schulnoten oder Bewertungen von Bildungseinrichtungen geholt.

Er brach die Schule ab und lehnte auch andere konventionelle Dinge, an denen sich manche Menschen messen, wie Autos oder Einkommen, ab. «Bei mir hat es jahrelang gedauert, bis ich festgestellt habe, dass ich nicht komplett doof bin, nicht untragbar und dass man mich nicht überall rausschmeißen muss», sagt der Aachener. «Ich bin auf jeden Fall ganz zufrieden mit mir mittlerweile.»

Dabei habe ihm auch eine Psychotherapie sehr geholfen, in der er sich intensiv mit sich selber auseinandergesetzt habe: «Das halte ich für einiges schwieriger als einen Bachelor-Studiengang.»

© dpa-infocom, dpa:210425-99-347171/2

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