1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Musik
  6. >
  7. Evangelist in Granada

  8. >

Peter Schreier singt Tenorschlager

Evangelist in Granada

Als Lieder- und Oratoriensänger war Peter Schreier berühmt, selbst die Opernfans schätzten das Feine seiner Kunst. Aber er konnte auch anders.

wn

Foto: Berlin Classics

Als am vorletzten Weihnachtsfest Peter Schreier starb, dachten die meisten Musikhörer wehmütig an sein Lebenswerk als Oratorien- und Liedersänger zurück. Doch der Mann mit der feinen Tenorstimme hatte sich auch als Opernsänger große Verdienste erworben und war deshalb ein kulturelles Aushängeschild der DDR, durfte schon 1966 in Bayreuth singen. Solch ein Star widmet sich natürlich auch all den Tenorschlagern zwischen Operettenlied und schwungvoller Tarantella, ohne die früher kaum eine Fernsehshow auskam und die von populären Sängern wie Jonas Kaufmann heute gern reaktiviert werden.

„Schöne, strahlende Welt“ ist ein Album, das Schreier 1977 für das Ost-Label Eterna aufgenommen hat und das jetzt mit ein paar Zugaben der Platte „O sole mio“ erstmals auf CD erscheint.

Und Schreier schlägt sich wahrlich nicht schlecht dabei. Mit einem Temperament, das man vom hauptamtlichen Evangelisten nicht erwartet, stürzt er sich in Frühlings- und Liebeslieder, schmettert das hohe C in „Granada“ oder gleitet sanft in die Mezzavoce („Eine wie Du . . .“). Bei „Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen“ gibt er alles und macht fast vergessen, dass er stimmlich und stilistisch eigentlich kein Nicolai Gedda war. Auch das Chianti-Lied in den Zugaben überzeugt – nur wenn es wirklich ans Italienische geht, wird es kurios, und man wünscht sich einen Pavarotti herbei. Doch als originelle Erinnerung an einen der großen Sänger des 20. Jahrhunderts kommt diese CD wie gerufen.

Schöne, strahlende Welt. Peter Schreier und das Große Rundfunkorchester Berlin unter Robert Hanell. CD Berlin Classics

Startseite
ANZEIGE