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Nachruf auf Prince

Funk-Stille

Münster

Die Welt trauert um Prince. Vom Popstar der 80er und 90er Jahre bis zum schleichenden Abstieg. Nachruf auf einen der größten Musiker, dem der Karriereabschluss nicht vergönnt war.

Carsten Vogel

Trauer um Prince: Foto von Lynn Goldsmith in der National Portrait Gallery in Washington. Foto: dpa

Kleiner Mann, ganz groß: 158 Zentimeter geballte Energie. Wäre der Titel „Mr. Hunderttausend Volt“ nicht bereits an Gilbert Becaud vergeben, er hätte zu Prince gepasst wie seine enganliegenden (gern lilafarbenen) Bühnenkostüme.

Keiner verkörperte den Begriff Laszivität so perfekt wie der vor 57 Jahren geborene Allroundkünstler. Ob phallusartige Gitarre, Auflehnung gegen jegliche Form der Prüderie oder Gespielinnen, die sich in seinem Namen sonnen konnten: Prince war ein Sexsymbol. Ein exzentrischer Star. Einer der größten in den 80er und 90er Jahren.

Viele Medien beschreiben ihn als Popchamäleon. Aber ein Chamäleon passt sich seiner Gegend an: Prince hat das nie getan. Im Gegenteil: Er legte sich musikalisch nicht fest. Ein Meister des Funks und Falsetts: Seine Mischung aus Soul, Jazz und Pop bleibt einzigartig und für immer prägend.

Und er liebte Kontroversen: Mit dem Musikbusiness legte er sich an, weil er sich als Sklave seiner Plattenfirma empfand. 1993 prangte die Aufschrift „Slave“ wie ein Brandmal auf der Wange. Konsequenterweise nannte er sich nicht mehr Prince, sondern fortan „The Artist formerly known as Prince“ (kurz TAFKAP). Während seine Alben daraufhin ein sogenanntes Liebes-Symbol zierten: eine Mischung aus Männlichkeits- und Weiblichkeitssymbol. Androgynität war nur eines der Stilmittel, mit dem er spielte.

Oft wurde er in einem Atemzug mit Michael Jackson genannt – tatsächlich haben die beiden fast nur eines gemein: den Karriereknick. Bei Prince setzt er Ende der 90er Jahre ein. Auch wenn es keinen Zusammenhang mit seinem Beitritt zu den „Zeugen Jehovas“ geben mag, große Hits wie „Purple Rain“, „Kiss“ oder „Nothing Compares 2 U“ gelangen ihm seitdem nicht mehr. Das eine oder andere Werk (wie „Musicology“) lässt zwar aufhorchen. Aber der Glamour vergangener Tage fehlte.

2007 stellt Prince in der Halbzeitpause des Superbowls noch einmal seine Stärke als Performer und Live­musiker unter Beweis. Es war ein letztes großes Aufbäumen. Richtig ins Rampenlicht rückte er nie wieder. Und so bleibt Prince versagt, was David Bowie noch gelang: ein würdiges Abschiedsalbum.

Natürlich sind Alben wie „Dirty Mind“, „1999“ und „Purple Rain“ aus dem Pop-Olymp nicht wegzudenken. „Sign o‘ the Times“ steht dort musikalisch mit Michael Jacksons „Thriller“ mindestens auf einer Höhe. Seinen Platz in der Königsklasse der Musik hat Prince deshalb mehr als nur verdient.

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