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Plan A

Johannes Oerding: Vatergespräche und erstes Date

Berlin (dpa)

Nach seinem ersten Nummer-Eins-Album will Johannes Oerding nachlegen. Auf «Plan A» spricht der Sänger seinen Vater an - und singt über eine Beziehung, die er sonst gern privat hält.

Von Thomas Bremser, dpa

Johannes Oerding verrät Persönliches. Foto: Christian Charisius/dpa

Das erste Date in einer verrauchten Kneipe oder ein längst überfälliges Gespräch mit seinem Vater: Auf seinem neuen Album «Plan A» stimmt Popmusiker Johannes Oerding erneut persönliche Töne an, gibt aber dennoch Neues preis.

Es ist bereits das siebte Studioalbum des Münsteraners, der schon lange in Hamburg wohnt. Der Vorgänger «Konturen» kam 2019 auf Platz eins der Charts. Das war Oerding, der gerne Hüte trägt und auch durch TV-Shows wie «Sing meinen Song» und «The Voice of Germany» bekannt ist, vorher noch nie gelungen.

«Ich habe schon Lust, da weiterzumachen, wo wir aufgehört haben», sagt der 40-Jährige («An guten Tagen») der Deutschen Presse-Agentur. «Aber in erster Linie will ich ein gutes Album abliefern, von dem die Leute sagen: 'Das kann man sich von vorne bis hinten gut anhören, da gibt es keine Totalausfälle'.»

Dieser Plan ist aufgegangen. Unter den zwölf Songs gibt es einige Überraschungen, auch wenn Stücke wie «Kaleidoskop», «Porzellan» oder «Was wäre wenn» typische Popnummern über Beziehungen und Abenteuerlust sind.

Eine Ballade für seinen Vater

Der außergewöhnlichste Track trägt den ungewöhnlichen Titel «1:1-Gespräch» und ist eher ein Monolog. Eine Hommage an seinen 76-jährigen Vater, der als Arzt arbeitet. Oerding erinnert sich - auch anhand von Geräuschen wie Hundebellen oder Vogelgezwitscher - an das Aufwachsen mit seinen vier Geschwistern und seine Jugend mit dem aus seiner damaligen Sicht strengen und spießigen Vater.

«Doch ich war, ich bin und ich bleibe froh, eins deiner Kinder zu sein», betont der Sänger in seinem Sprechgesang. «Ich schreibe diese Zeilen, verpackt in einem Lied. Weil dieses 1:1-Gespräch uns beiden einfach nicht liegt.»

«Ich hatte den Text schon ziemlich lange in der Schublade liegen und dachte immer, ich sei noch zu jung, einen Song über meinen Vater zu veröffentlichen», sagte Oerding. «Aber dann gehen die Jahre ins Land und man denkt: 'Jetzt wird es Zeit'. Deshalb bin ich echt froh, dass ich ihn habe.» Denn über ihre Gefühle offen reden, das sei nicht ihr Ding.

Liebe auf der Reeperbahn

Neben der sehr intimen Ballade, die fast ohne Instrumente auskommt, wird der Songwriter auch auf dem etwas an Swing angehauchten Stück «Ecke Schmilinsky» persönlich. Denn es geht um die Nacht in einer Hamburger Bar auf der Reeperbahn, in der er sich in eine Frau verliebt - mutmaßlich seine berühmte Freundin Ina Müller (57).

«Die meisten Leute werden schon schnallen, worum und um wen es geht. Aber ich handhabe es eigentlich immer so, dass ich keine konkreten Namen nenne», sagt Oerding, der nicht viel über seine Beziehung preisgibt. Im Song verrät er, wie sich das besungene Paar «in dieser rauchverqualmten Nacht» kennenlernt und es nach dem Kneipenbesuch weitergeht. «Nur die Laterne bei dir an der Ecke Schmilinsky wurde Zeuge, wo die Liebe dann noch hinfiel.»

«Plan A» ist in diesen ganz kleinen Momenten besonders stark, die sehr viel mehr preisgeben über den Sänger als Allgemeinplätze über Liebe und Eifersucht. Im Duett mit der früheren «Voice»-Kandidatin Zeynep Avci wagt sich der 40-Jährige dann noch auf neues Terrain: Er singt in dem bilingualen Duett ein paar Zeilen auf Türkisch.

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