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Molekularmusik

Roxanne de Bastion feiert das Leben

Mainz/London (dpa) -

In Berlin ist sie geboren, in London ist sie zuhause. Diesen Bogen spannt die Singer-Songwriterin Roxanne de Bastion auch auf ihrem neuen Album «You & Me, We Are The Same».

Von Peter Zschunke, dpa

Besingt das Leben in allen Facetten: Die Singer-Songwriterin Roxanne de Bastion. Foto: Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

Vier Jahre lang hat sich die Britin Roxanne de Bastion Zeit gelassen für ihr neues Album. Die in Berlin geborene Singer-Songwriterin hat in diesen Jahren gelitten, nicht nur unter Corona.

Sie hat ihren Vater verloren, der ihren Weg als Musikerin prägte. Trotzdem sagt die Sängerin über «You & Me, We Are The Same»: «Dies ist kein trauriges Album.» Denn Leid gehört halt dazu.

Die junge Londonerin bringt jetzt ein sehr persönliches, aber auch allzeit melodisches, lebensbejahendes Album heraus, in dem sie ihre Liebe zur Musik feiert, zu den Beatles, zu zarten Gitarrenklängen, ungewöhnlichen Akkordsprüngen und mutigen Rhythmen. Und zu Geräuschen - wie im Song «London, I Miss You», das mit Berlin beginnt und mit dem Sound der U-Bahn «Tube» ausklingt.

Mit sphärischen Klängen führen sich die «Molecules» im ersten Stück des Albums ein, bevor sie in den treibenden Rhythmus harter Gitarren-Riffs einschwenken. Diese Musik verbindet Roxanne textlich mit sehr grundsätzlichen Betrachtungen über Moleküle als Bausteine des Lebens: Was wäre, wenn dort Gott zu finden wäre? Molekularbiologe, Molekulartheologie, Molekularmusik. 

Die Lieder von Roxanne de Bastion entziehen sich schneller, eingängiger Deutung. Aber sie lassen ahnen, wie das Leben wieder leichtfüßig werden kann, wenn drumherum alles immer schwerer wird. «The Weight» (Die Schwere) heißt der letzte und stillste Song des Albums. Auch «Heavy Lifting» spricht von einer schlimmen Zeit, bricht die Melancholie aber mit einer hartnäckig-sanften Folge von vier immer gleichen Tönen entschlossen auf. 

Schon auf ihrem ersten, 2012 vorgelegten Album «The Real Thing» verzichtete Roxanne de Bastion auf große Gesten, erkundete lieber die Liebe in den kleinen Dingen. Oder sie verwendete Erinnerungen wie 2017 mit ihrer Platte «Heirlooms And Hearsay» mit einer Hommage an den Großvater Stephen de Bastion.

Wie viele Atemzüge haben wir? Diese Frage in ihrem Song «Smoke» beantwortet Roxanne de Bastion mit kühnen Sprüngen ihres stimmlichen Könnens. Und sie spricht von Auflösungstendenzen einer Patchwork-Kunst. Ihr neues Album führt Gefühle zusammen.

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