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Engelbert Humperdinck starb vor 100 Jahren

Raffiniert komponiert

Bis heute ist sein Hauptwerk ein Welterfolg: Engelbert Humperdinck ist der "Hänsel und Gretel“-Komponist. Am Montag war sein 100. Todestag.

Foto: imago/United Archives International

Engelbert Humperdinck hat Karriere gemacht. Vor einigen Jahrzehnten war er „Hänsel und Gretel“-Komponist und sonst nichts. Vor wenigen Jahren kehrten seine „Königskinder“ ins Repertoire zurück. Und mittlerweile — am Montag ist sein 100. Todestag — gibt es fast nichts von Humperdinck, was es nicht gibt.

Wie ist das möglich? Es liegt vor allem an der Qualität seiner Musik, einer glücklichen Vermählung von Finesse und Volkstümlichkeit. Der 1854 in Siegburg geborene Humperdinck war ein Traditionalist alter Schule, der zufällig in den Bann Richard Wagners geriet, aber klug genug war, sich davon nicht völlig verzaubern zu lassen. Nicht umsonst ist sein Hauptwerk „Hänsel und Gretel“ bis heute ein Welterfolg: raffiniert wie die „Walküre“, aber freigegeben fürs Kinderzimmer.

Siegburg kümmert sich um seinen großen Sohn

Zum anderen wird die Wiederentdeckung Humperdincks gezielt betrieben. Christian Ubber und die „Musikwerkstatt E. Humperdinck“ in Siegburg vor allem haben sich verdient gemacht und die Kammermusiken und Lieder herausgegeben. Auf einem jüngst bei Hänssler veröffentlichten Album („More than a Myth“) tummeln sich einige erlesene Raritäten: etwa die Kammerfassung des Tristan-Vorspiels oder Ensemble-Bearbeitungen später Lieder.

Die erste knappe und übersichtliche Biographie seit 1911

Das größte Geschenk im Humperdinckjahr ist allerdings die Veröffentlichung der ersten brauchbaren Biografie seit 1911 (!). Der Musikwissenschaftler Matthias Corvin hat sie im Schott-Verlag veröffentlicht, für den Humperdinck selbst als Lektor tätig war. Es ist eine vorbildlich recherchierte, anschauliche Lebensbeschreibung, und sie enthält das erste griffige Werkverzeichnis samt Diskographie überhaupt. Anekdotische Schriften aus dem familiären Umfeld des Komponisten haben sich damit erledigt.

Engelbert Humperdinck (1854-1921)

Was fehlt zum Humperdinck-Glück? Nicht mehr viel. Sogar die visionäre Melodram-Fassung der „Königskinder“ wurde jüngst beim Beethovenfest aufgeführt. Wünschenswert wäre die Wiederentdeckung der sublimen Dumas-Oper „Die Heirat wider Willen“ — und die Würdigung der umfangreichen Musik zu Shakespeares „Sturm“: Diese beste Humperdinck-Bühnenmusik kann sich neben „Sommernachtstraum“ und „Peer Gynt“ locker behaupten.

Humperdinck-Werke

Matthias Corvin: „Märchenerzähler und Visionär. Der Komponist Engelbert Humperdinck“, Schott Verlag, 292 Seiten, 22,99 Euro

„More than a Myth“ – Kammermusik und Lieder von Engelbert Humperdinck, CD Hänssler Classics

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