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Mit handgemachtem Pferdegetrappel

„Sartana“: Hinreißendes Live-Hörspiel in der Halle Münsterland

Münster

Seine beste Zeit hatte der Italo-Western Ende der 1960er Jahre. „Sartana – noch warm und schon Sand drauf“ kam erst 1971 in die Kinos und wäre heute weitgehend vergessen, hätte ihn der Ärzte-Schlagzeuger Bela B nicht exhumiert. Aber nicht als Film ging er am Samstag in der Halle Münsterland über die Bühne, sondern als Live-Hörspiel. Alles ist handgemacht, angefangen beim obligatorischen Pferdegetrappel bis hin zum Knistern der Dollarscheine.

unseremMitarbeiterHelmut Jasny

Peta Devlin und Bela B singen über Leichen. Foto: Helmut Jasny

Die Handlung folgt der deutschen Synchronfassung von Rainer Brandt und ist ohne Belang. Titelheld Sartana (Bela B) sucht am Indian Creek nach dem Mörder eines Goldgräbers. Das gefällt einigen Leuten nicht, und das ist auch gut so. Ein Italo-Western braucht Leichen, möglichst nicht zu knapp.

Für Musik sorgt die Band Smokestack Lightnin’, die neben erdigem Western-Sound noch andere Musikstile drauf hat, mit denen sie die Gesangseinlagen von Bela B und Peta Devlin begleitet. Einer dieser Songs ist dem „Dreck vom Indian Creek“ gewidmet, denn in Italo-Western geht es nicht immer sauber zu, weder in hygienischer noch in moralischer Hinsicht. Diesen Realismus hat er seinem amerikanischen Vorbild voraus.

Vom sinistren Totengräber bis zum Spielhöllen-Chinesen ist alles da, und Stefan Kaminski verleiht ihnen mit großer Wandlungsfähigkeit Stimme, wenn er nicht gerade mit Geräuschemachen beschäftigt ist. An die Rückwand projizierte Illustrationen erleichtern das Verständnis. Für Spaß ist gesorgt, wenn die Akteure bewusst aus der Rolle fallen oder technische Pannen wie ein zur Unzeit aufleuchtendes Saallicht durch Improvisation überspielen müssen.

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