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Schmerzende Bandscheibe und Liebeskummer

unserem Mitarbeiter Hans Gerhold

Münster - Der Mann ist mutig, risikobereit, mit Leidenschaft und Herz voll dabei. Was die Darstellerinnen Anna Bederke und Pheline Roggan über ihren Regisseur Fatih Akin und seine Arbeitsweise sagten, war nicht übertrieben. Akins Film „Soul Kitchen“ wurde am Donnerstag, drei Wochen vor Bundesstart, im ausverkauften Cineplex in Münster im Rahmen der WDR-2-Filmpremiere für NRW enthusiastisch gefeiert.

Die Komödie, die die Geschichte der titelgebenden Kneipe im Hamburger Arbeiterviertel Wilhelmsburg mit der Liebes- und Leidensgeschichte seines Besitzers, des Deutschgriechen Zinos Katzanzakis verbindet, ist für Akin „mein Heimatfilm. Die Clubs, die U-Bahn, die Elbe, die Brücken, das ist meine Heimat.“Auf die Fragen von WDR-Moderator Matthias Bongartz antwortete Akin, der außer den Damen Hauptdarsteller Adam Bousdoukos mitgebracht hatte, kurz, gewitzt und ehrlich, wie man das von ihm gewohnt ist.

Die Idee zum Film gab es seit 2003, kurz vor der Premiere von „Gegen die Wand“, nach dessen Erfolg „Soul Kitchen“ auf Eis lag. In den Film sind viele persönliche Erfahrungen eingegangen: Bousdoukos hat tatsächlich neun Jahre in Ottensen ein Restaurant geführt und unter Liebeskummer gelitten. Akin wiederum litt unter einem Bandscheibenvorfall, der für einige der besten Momente des kraftvoll inszenierten Films sorgt, der, so Akin, „mir bei aller Anstrengung mindestens fünf Jahre gegeben hat“.

Bousdoukos, Akins Freund seit der Schulzeit, als sie „Ghostbusters“-Fans waren, war einer der drei Hauptdarsteller in Akins Debüt „Kurz und schmerzlos“. Er ist der beste Kritiker seiner Filme und sorgte unter anderem indirekt, weil er anfangs nichts verstand, für den kompletten Umschnitt von „Auf der anderen Seite“. Akin filmt „wie ein HipHopper. Ich nehme mir dies und das, scratche und sample, und fertig ist ein neuer Film.“ Der vielfach ausgezeichnete Regisseur auf die Frage, ob er vor einem Preis Angst habe: „Bammel habe ich nur vor der Goldenen Himbeere.“

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